Franz Blümelhuber

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Franz Xaver Wilhelm Blümelhuber (* 20. Januar 1897 in München) war als SS-Untersturmführer (SS-Nr. 290 573) und Kriminalinspektor Angehöriger der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) bei der Staatspolizeileitstelle München von 1935 bis 1944. Nach dem Kriege nahm er eine Beschäftigung beim Verfassungsschutz auf.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang[Bearbeiten]

Als Sohn von Franz Xaver Blümelhuber und seiner Ehefrau Rosa Eigenhard besuchte er von 1903 bis 1910 die Grundschule. Danach betätigte er sich von 1911 bis 1913 im Handel mit sanitären Waren. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Soldat im Reserve-Infanterie-Regiment 2 (R-IR 2) in der 3. Maschinengewehrkompanie (3. MGK) in Belgien und Frankreich teil. Vom 14. Oktober 1916 bis zum 6. August 1919 war er in englischer Gefangenschaft.

Polizeidienst und Tätigkeit in der Gestapo[Bearbeiten]

Ab dem 1. April 1920 diente er bei der Schutzpolizei (Schutzmannschaft genannt) bis zum 31. März 1929 in München. Vom 1. April 1930 bis Oktober 1935 war er bei der Kriminalpolizei in München tätig. Für die NSDAP übte er seit 1923 eine illegale Funktion in der Polizei aus. Ab Oktober 1935 gehörte er der Gestapo bis 1945 an.

Schon bei der Kriminalpolizei und dann bei der Gestapo war er als beamteter Kriminalsekretär (KS) und später als Kriminalobersekretär (KOS) in der Nachrichtenabteilung bzw. im Nachrichten-Referat (N-Referat) eingesetzt, wobei er hauptsächlich gegen die Angehörigen der kommunistischen Partei tätig wurde.[1] Mitglied der NSDAP wurde er 1937. Im Jahre 1938 leitete er mehrere Monate das N-Referat. Im selben Jahr wurde er Mitglied der SS. Am 9. November 1938 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert.

Bei der Staatspolizeileitstelle München verwaltete er auch die Kasse für die Informanten der Gestapo, den Vertrauens-Leuten (V-Männer bzw. V-Mann). Bis 1943 leitete er das Referat für religiöse Angelegenheiten (Kirchen-Referat). Im Sommer 1944 wurde er zur Staatspolizeileitstelle Salzburg versetzt, wo er bis zum Kriegsende blieb.

Zeuge beim Selbstmordversuch der Unity Mitford[Bearbeiten]

Am Sonntag, dem 3. September 1939 wurde Blümelhuber Augenzeuge, wie sich die Engländerin Unity Mitford am Rande des englischen Gartens in den Kopf schoss.[2] Mit weiteren Helfern und den Kriminaloberassistenten Rieder und Klein der Staatspolizeileitstelle München brachte er die Engländerin in eine chirurgische Klinik. Die Handtasche und die Pistole übergab er dem Leiter der Abteilung II, dem Regierungsassessor Weintz.[3]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

1945 wurde er als Angehöriger der Gestapo in US-Haft genommen. Anfang 1946 beantragten die Engländer, ihn und andere Gestapo-Leute als Zeugen zu vernehmen. So wurde er am 26. September 1946 in Dachau in englische Haft übernommen. Am 26. Juni 1948 wurde er aus der Haft entlassen.

Im Entnazifizierungsverfahren stufte ihn die Spruchkammer München am 21. Juli 1949 als Mitläufer ein. Ab März 1953 war er beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beschäftigt.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Groll: Spruchkammerverfahren Weihbischof Dr. Franz Xaver Eberle - Februar 1947 bis März 1948. In: Manfred Weitlauff (Hrsg.): Verein für Augsburger Bistumsgeschichte - Jahrbuch. 40. Jahrgang. 2006, ISSN 0341-9916, OCLC 224449598, S. 553, FN 11 und S. 557 FN 17.
  2. Selbstmordversuch der Unity Mitford in der deutschsprachigen Wikipedia
  3. Anton Joachimsthaler: Hitlers Liste: Ein Dokument persönlicher Beziehungen. Herbig, München 2003, ISBN 3-7766-2328-4, S. 536.
  4. Persönliche Daten in einer CIA-Datei
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