Fernsehdebatte

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Fernsehdebatten im Wahlkampf sind Debatten, in denen meist Fernsehjournalisten Kandidaten vor einer politischen Wahl im Fernsehen zu den Themen des Wahlkampfs befragen. Es gibt international eine Fülle von Formaten: so können nur die Kandidaten der beiden größten - oder die aller Parteien (s. u.) befragt werden. Fernsehdebatten können auch in Form einer Podiumsdiskussion oder einer politischen Talkshow konzipiert sein. Das Format mit dem größten Medienecho und den meisten Zuschauern ist das Fernsehduell. Bekannt sind zudem die sogenannten Elefantenrunden.

Amerikanisierung des Wahlkampfes[Bearbeiten]

Wahlkämpfe werden auch in Deutschland seit einigen Jahren in den Massenmedien professioneller geführt als noch in den 1970er oder 1980er Jahren. Dabei arbeiten Parteien mit externen Beratern und Agenturen zusammen, um ihr Programm und ihren Kandidaten optimal vermarkten zu können. Solche Neuerungen, häufig unter dem Schlagwort „Amerikanisierung“ der Kampagne zusammengefasst, kommen tatsächlich oder vermeintlich von der Anlage her aus den Vereinigten Staaten.

Fernsehdebatten in Deutschland[Bearbeiten]

Auch in Deutschland nahmen lange vor 2002 Vertreter aller Bundestagsparteien vor Bundestagswahlen an Fernsehdebatten teil.

Bundestagswahlen 1972 bis 1987[Bearbeiten]

Ab der Bundestagswahl 1972 gab es eine „Elefantenrunde“ vor der Bundestagswahl. Diese von ARD und ZDF gleichzeitig live übertragene Sendung - ihr offizieller Name war Drei Tage vor der Wahl - fand vor den Bundestagswahlen, 1980, 1983 und 1987 statt.

1972 kam es zu drei Diskussionsrunden der Spitzenpolitiker von CDU (Barzel), CSU (Strauß), SPD (Brandt) und FDP (Scheel), eine in der ARD (Deutschland vor der Wahl, etwa einen Monat vor der Wahl), eine im ZDF (Journalisten fragen – Politiker antworten, etwa zwei Wochen vor der Wahl) und eine, die ARD und ZDF gleichzeitig übertrugen (Vier Tage vor der Wahl). Im Unterschied zu den anderen Sendungen, war letztere eine offene Runde. Diskussionen zwischen den Teilnehmern waren nicht nur möglich, sondern explizit erwünscht. Zwei Moderatoren leiteten die Sendung. Das Format war damit Vorbild für die folgenden vier Sendungen Drei Tage vor der Wahl in den Jahren 1976 – die Union hatte erneut vergeblich ein Duell ihres Kandidaten Kohl mit Amtsinhaber Schmidt gefordert – 1980, 1983 und 1987. Die Dauer der Sendungen war offen. Faktisch dauerten sie zwischen zwei und vier Stunden. Alle übertrugen ARD und ZDF gleichzeitig live. Jede Runde besprach mehrere vorher festgelegte Themen, die je im Prinzip auf 30 Minuten begrenzt, jedoch häufig deutlich überschritten wurden. Die Spitzenpolitiker saßen und durften Unterlagen mitnehmen.

Bis 1980 wurde die Redezeit der einzelnen Politiker erfasst, so dass sich eventuelle Ungleichgewichte am Ende der Sendung noch ausgleichen ließen. Dies gelang 1972 beispielsweise mehr schlecht als recht. Brandt sprach deutlich am längsten, was aber wesentlich darauf zurückzuführen war, dass er deutlich langsamer sprach als z. B. Franz-Josef Strauß. Strauß galt zugleich als der Verlierer der Debatten 1972 und 1976, weil er permanent aggressiv die Regierung kritisierte, was bei den Zuschauern nicht gut ankam. Ab 1983 gab es keine Redezeitbegrenzung und faktisch überhaupt keine Diskussionsregeln mehr.

Mit dem Einzug der Grünen in verschiedene Landtage Anfang der 80er Jahre entstand die Frage, ob sie auch an den „Elefantenrunden“ teilnehmen sollten. Kurz vor der Wahl 1983 stellte die Partei einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung, mit der sie ihre Teilnahme durchsetzen wollten. Das Verwaltungsgericht Mainz teilte jedoch die Ansicht der ARD-Intendanz, dass die Grünen nur dann eine Chance auf eine Teilnahme hätten, wenn sie im Bundestag vertreten seien. Erst 1987 nahm mit Jutta Ditfurth zum ersten Mal eine Grünen-Politikerin an der Vorwahlrunde teil. Die Grünen waren im Nachhinein der Ansicht, Ditfurth sei von den Moderatoren benachteiligt worden, und nannten die Sendung ein „Trauerspiel des deutschen Journalismus“. Auch der Kanzlerkandidat der SPD, Johannes Rau, empfand die Sendung als „nicht spannend genug“ und befürchtete, dass zukünftige Sendungen dieses Formats das Interesse an der Wahl verringern könnten.

Tatsächlich hatten die Einschaltquoten der „Elefantenrunden“ bereits zwischen 1972 (58 %) und 1983 (36 %) sukzessive abgenommen – obwohl die Zuschauer in dieser Zeit kaum ein Ausweichprogramm zur Verfügung hatten. Auch 1987 sahen nur noch 37 Prozent der Deutschen zu. Es war die letzte „Elefantenrunde“ im deutschen Fernsehen vor einer Bundestagswahl. Zur Bundestagswahl 2002 kam es erstmals zu einem Fernsehduell der Kanzlerkandidaten.

Bundestagswahl 2005[Bearbeiten]

Ebenso gab es 2005 ein Fernsehduell der beiden Kanzlerkandidaten. Als „Ersatz“ für das zweite Duell 2005 fand unter dem Titel „Die Favoriten: Diskussion der Spitzenkandidaten“ auf ARD und unter dem Titel „Der TV-Dreikampf“ wenige Tage nach dem Kanzlerduell 2005 ein Streitgespräch zwischen Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen), Guido Westerwelle (FDP) und Oskar Lafontaine (WASG) im gleichen Format im ZDF statt. Ein weiteres Duell zwischen ihm und Oskar Lafontaine brachte Edmund Stoiber (CSU) ins Gespräch. Als Lafontaine annahm, lehnte Stoiber jedoch überraschend ab.[1] (08.09.2005, „Berlin Mitte spezial. Nach dem Duell - Der Dreikampf der „Kleinen“, mit Joschka Fischer (Grüne), Guido Westerwelle (FDP), Oskar Lafontaine (Linke.PDS), ZDF)[2]

In der Sendung „Wahl 05 - Diskussion. Thema: Die Favoriten - Spitzenpolitiker im Kreuzverhör“ a, 12.09.2005 erschienen Spitzenkandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien: Gerhard Schröder (SPD), Angela Merkel (CDU), Edmund Stoiber (CSU), Joschka Fischer (Grüne), Guido Westerwelle (FDP), Gregor Gysi (Linke.PDS).[2]

Bundestagswahl 2009[Bearbeiten]

2009 gab es erneut ein Fernsehduell der Kanzlerkandidaten. Wie schon 2005 fand auch ein Streitgespräch zwischen den Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen statt. Am 14. September 2009 trafen unter dem Titel „Wahl 09: Der TV-Dreikampf“ die Kandidaten Guido Westerwelle, Lafontaine und Jürgen Trittin aufeinander. In der Sendung „Wahl 09. Die Favoriten. Spitzenpolitiker im Kreuzverhör“ werden am 21. September 2009 Angela Merkel (CDU), Frank-Walter Steinmeier (SPD), Horst Seehofer (CSU), Guido Westerwelle (FDP), Oskar Lafontaine (Die Linke) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) erscheinen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Knieper, Marion G. Müller (Hrsg.): Visuelle Wahlkampfkommunikation. Herbert von Halem, Köln 2004
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