Fatigue Skala für Motorik und Kognition

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Die Fatigue Skala für Motorik und Kognition (FSMC) wurde von PD Dr. Iris-Katharina Penner[1] unter Mitarbeit von M.Sc. Carla Raselli, Dr. Markus Stöcklin, Prof. Dr. Klaus Opwis und Prof. Dr. Ludwig Kappos entwickelt. Die FSMC dient der Abklärung einer kognitiven und motorischen Fatigue-Symptomatik bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS).

Das Verfahren wurde in einer umfangreichen Studie von Penner et al. (2008) zur Einschätzung der MS-Fatigue validiert. Die psychometrischen Kennwerte sind sehr gut, die interne Konsistenz beträgt α > 0.91, die Retest-Reliabilität liegt bei r > 0.80 (Penner, et al., 2009, in press).


Hintergrund[Bearbeiten]

Fatigue trifft Schätzungen zufolge 75-95% der MS Patienten und gilt als eines der Symptome, durch die sich die Patienten am meisten beeinträchtigt fühlen. Fatigue kann zu allen Zeitpunkten der Erkrankung auftreten, ist oftmals bereits zum Krankheitsbeginn präsent und besteht meist während des gesamten Krankheitsverlaufs. Die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen kann gravierend sein, zählt die MS-Fatigue doch zu den wesentlichen Ursachenfaktoren für Teilzeitbeschäftigung oder gar Arbeitsunfähigkeit.

Eine Verbesserung des Verständnisses innerhalb des sozio-familiären und beruflichen Umfelds, aber auch eine Verbesserung der Akzeptanz des einzelnen Patienten selbst gegenüber seinen Symptomen machen eine zuverlässige und frühzeitige Diagnose unabdingbar. Diese ist des Weiteren für die individuelle Therapiewahl Voraussetzung.

Die vorliegende auf wissenschaftlicher Basis erarbeitete Skala für Motorik und Kognition (FSMC) erfasst die beiden Hauptkomponenten (motorisch/kognitiv) der Fatigue und erlaubt eine graduelle Abstufung der Symptome.


Testaufbau und Durchführung[Bearbeiten]

Der Fragebogen beinhaltet 20 Items, die sich aus den Subskalen zur Abklärung der kognitiven und motorischen Fatigue zusammensetzen. Die Patienten geben ihre Urteile auf einer 5-Punkte-Likert-Skala ab. Der FSMC stellt ein Maβ zur Selbsteinschätzung dar und kann vom Patienten bereits in der Wartezone innerhalb von 5 Minuten ausgefüllt werden. Die Bearbeitung des FSMC unterliegt keiner zeitlichen oder altersbedingten Beschränkung. Wichtig ist es aber, den Patienten explizit auf das genaue Durchlesen der Instruktion hinzuweisen.


Auswertung[Bearbeiten]

Der Auswerteschlüssel für die beiden Subskalen sieht wie folgt aus:


Kognitive Skala - Items 1, 4, 7, 8, 11, 13, 15, 17, 18, 20
(Beispiel-Item: “Wegen meiner Erschöpfungszustände fällt es mir schwerer, etwas Neues zu lernen als früher.“)
Motorische Skala - Items 2, 3, 5, 6, 9, 10, 12, 14, 16, 19
(Beispiel-Item: “Meine Bewegungen werden im Zustand der Erschöpfung eindeutig langsamer.“)


Die 5-Punkte-Likert Skala sieht eine Vergabe von 1-5 vor. Damit können maximal 50 Punkte pro Subskala und 100 Punkte für die Gesamtskala erzielt werden. Ein Patient, der weder motorische noch kognitive Fatigue aufweist, würde demnach einen Punktwert von 20 für die Gesamtskala erzielen.


Einstufung des Patienten anhand von Cut-Off-Werten[Bearbeiten]

Der an einer gesunden Stichprobe ermittelte und validierte Cut-Off-Wert (Penner, et al., 2009) zur Unterscheidung zwischen Normalbefund einerseits und pathologischer Fatigue andererseits liegt für die Gesamtskala bei 43, für die kognitive Skala bei 22 und für die motorische Skala ebenfalls bei 22. Die detaillierten Befundeinteilungen sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.


FSMC gesamt ≥ 43 Leichte Fatigue
≥ 53 Mittelgradige Fatigue
≥ 63 Schwere Fatigue
FSMC kognitiv ≥ 22 Leichte kognitive Fatigue
≥ 28 Mittelgradige kognitive Fatigue
≥ 34 Schwere kognitive Fatigue
FSMC motorisch ≥ 22 Leichte motorische Fatigue
≥ 27 Mittelgradige motorische Fatigue
≥ 32 Schwere motorische Fatigue


Literatur[Bearbeiten]

  • Penner, I.K., Raselli, C., Stöcklin, M., Opwis, K., Kappos, L., & Calabrese, P. (2009). The FSMC (Fatigue Scale for Motor and Cognitive
    Functions) – validation of a new instrument to assess MS related fatigue in clinical routine. Multiple Sclerosis.
  • Penner, I.K. (2007). FSMC – Fatigue Skala für motorische und kognitive Fatigue. 5. Quellenhof-Symposium:„Fatigue bei Multipler Sklerose –
    Messinstrumente, Ursachen und Therapie.“
  • Penner IK, Bechtel N, Raselli C, Stöcklin M, Opwis K, Kappos L, Calabrese P. (2007). Fatigue in multiple sclerosis: relation to depression,
    physical impairment, personality and action control. PMID: 17967844
  • Penner, I.K., Vogt, A., Raselli, C., Stöcklin, M., Opwis, K., & Kappos, L. (2005). The FSMC (Fatigue Scale for Motor and Cognitive Functions): a
    new patient-reported outcome measure for cognitive and motor fatigue in multiple sclerosis. Multiple Sclerosis, 11, S66.


Siehe auch[Bearbeiten]


Link[Bearbeiten]

http://www.psycho.unibas.ch/index_html?content=person&detail=cv&abteilung=Kognition&person=Penner


Einzelnachweis[Bearbeiten]

  • [1] PD Dr. Iris-Katharina Penner, PhD, Fakultät für Psychologie Universität Basel,Abteilung für kognitive Psychologie und Methodologie,
    Missionsstrasse 60/62, CH-4055 Basel, Schweiz.
    Email: ik.penner@unibas.ch

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