Falko A. Cerny

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Falko A. Cerny

Falko A. Cerny (* 23. Januar 1970 in Duisburg) ist ein Sachbuchautor und Publizist populärwissenschaftlicher Fachartikel über das Denken und Sozialverhalten von Menschen sowie menschliche Systeme. Cerny beschäftigt sich mit „Europäische Dissoziation“, leitet als Social Entrepreneur das „Büro für Entproblematisierung“ und ist als Berater, Coach und Vortragsredner aktiv.

Biografie[Bearbeiten]

Cerny wurde 1970 in Duisburg als Sohn eines Stahlarbeiters und einer Hausfrau in einfachen Verhältnissen geboren. Im Jahr 1992 gründete er eine Werbeagentur, die er bald auf Ideenfindung für Kundenorientierungsmaßnahmen spezialisierte. 1996 scheiterte seine erste Ehe, in dessen Folge sei er nach Eigendarstellung in eine existenzielle Lebenskrise geraten[1]. Das Buch LOL²A-Prinzip, das ihm in dieser Phase geschenkt wurde, habe bei ihm eine Selbstveränderung, die Überwindung seiner Lebenskrise und neuem privaten und beruflichen Erfolg, „praktisch über Nacht, allein durch ein anderes Denken“ bewirkt. Diese Erfahrung sei für ihn der Anstoß gewesen, etablierte Theorien über das Denken und Verhalten zu hinterfragen und entwickelte daraus in der Folge verschiedene eigene Ansätze, die er im Jahr 2001 zunächst im Internet und 2006 in seinem ersten Buch „WIRKUNG!“ veröffentlichte. Die Resonanz hierauf führte zu Seminar- und Vortragstätigkeit in Deutschland. Cerny verlegte seinen Lebensmittelpunkt von Duisburg nach Landshut und lernte dort auch seine heutige Ehefrau kennen. Cerny ist verheiratet und hat einen Sohn.

Denkansatz[Bearbeiten]

Grundlage für Cernys Denkansatz, Schriften und Konzepte ist die sog. „Europäische Dissoziation“. Demzufolge basiert das westliche Denksystem noch heute auf Theorien und Denkmodellen des 17. bis 19. Jahrhunderts, zurückgehend u.a. auf René Descartes, Galileo Galilei, Isaac Newton, William Petty, Adam Smith und Immanuel Kant. Diese Denkmodelle seien jedoch mit den Erkenntnissen des 20. Jahrhunderts, beginnend mit Albert Einstein, obsolet. Damit sei auch unser etabliertes Denksystem (von Cerny als „Alte Kompetenz“ bezeichnet) überholt und müsse an die Erkenntnisse seit Einstein (nach Cerny die „Neue Kompetenz“ ) angepasst werden[2].

Der Großteil der heutigen Probleme und Krisen in allen Lebensbereichen, ökonomische (Profitgier, Vernichtungswettbewerb, Kapitalismuskritik, usw.), soziale (Ellenbogenmentalität, Bildungsmangel, Kriminalität, usw.), psychische (Stress, Burnout-Syndrom, Depression, Selbstmorde, usw.), medizinische (Zivilisationskrankheiten, Süchte, psychosomatische Erkrankungen, usw.) und ökologische (Umweltzerstörung, Massentierhaltung, usw.) seien demnach nur die zwangsläufigen Folge-Erscheinungen eines überholten, grundsätzlichen Fehldenkens. Daher könne kein Problem durch eine konventionelle Strategie, Methode oder Maßnahme wirklich gelöst werden, da diese ebenfalls immer Produkte des alten Denksystems seien, sondern würden nur neue Probleme an anderen Stellen schaffen.

Einflüsse[Bearbeiten]

In seinem Denkansatz will Cerny die Arbeiten von u.a. Fritjof Capra, Gregory Bateson, Humberto Maturana und Francisco Varela, Frederic Vester, Vilém Flusser, Karl R. Popper, Bertrand Russell, Niklas Luhmann, Bart Kosko, E. F. Schumacher, Hazel Henderson und Hans-Peter Dürr in seinen ganzheitlich-systemischen Ansätzen verbinden, dabei ausgehend von Albert Einstein (Relativität), sowie u.a. Werner Heisenberg (Unschärferelation), Niels Bohr (Komplementarität).

Werk und Lehre[Bearbeiten]

Mit dem Verweis auf Albert Einstein „Probleme lassen sich niemals durch dieselbe Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“ müsse Cerny zufolge zwischen Denkweise und Denken unterschieden werden. Die Denkweise bestimme, welche Maßstäbe und Kriterien für das Denken gelten. So dominiere in der westlichen Welt die kartesianisch-dualistische, mechanistisch und wissenschaftlich geprägte Denkweise, ausgehend von René Descartes im 17. Jahrhundert. Dem entsprechend würden heute noch immer u.a. Analytik, Rationalität, Objektivität, Logik, etc. die Kriterien für ein vernünftiges und richtiges Denken darstellen und jede andere mögliche Denkweise als unvernünftig und falsch betrachtet. Unsere Denkweise würde so zu einer Selbstbegrenzung und Verkrustung des Denkens führen; mit der Unfähigkeit zu erkennen, dass Probleme überhaupt erst und nur durch die Denkweise entstanden seien, während man dazu noch diese Probleme mit dem selben Fehldenken zu lösen versuche [3]. Cerny zitiert hierzu auch Maturana und Varela: „Das Nichtwissen darum, wie sich unsere Erfahrungswelt aufbaut, ist ein Skandal. Es gibt viele Skandale auf dieser Welt, aber diese Unwissenheit ist einer der größten“ [4].

Prinzip WIRKUNG![Bearbeiten]

Mit seinem Grundwerk „WIRKUNG!“ will Cerny die Frage beantworten, wie Wirkung unabhängig von Systemen und Subsystemen (Politik, Gesellschaft, Management, Medien, etc.), Disziplinen (Soziologie, Psychologie, Pädagogik, etc.), Gruppen (Frauen, Männer, Singles, Senioren, etc.) und Inhalten (Werbung, Bildung, Erziehung, Gesundheit, etc.) zustandekommt, sondern grundsätzlich, also im Prinzip. Dem prinzipiellen Charakter entsprechend würden sich die Erkenntnisse daraus auf sämtliche Bereiche analog übertragen lassen. Cerny verweist hierzu exemplarisch auf das Prinzip der Addition, das nur ein einziges Mal verstanden werden müsse, um jegliche Additionsaufgabe lösen zu können[5].

Seinem Denkansatz folgend besteht Cernys „Prinzip WIRKUNG!“ aus drei Teilen: Der Herleitung des Denkmodells des 17. bis 19. Jahrhunderts ( „Alte Kompetenz“ ) [6], gegenüber den Erkenntnissen seit Albert Einstein ( „Neue Kompetenz“ ) [7], sowie den sich daraus ergebenen Konsequenzen. Cerny zufolge münden diese Konsequenzen zwangsläufig in einem neuen Denkmodell, Welt- und Menschenbild mit einer anderen Grundhaltung des Einzelnen zu sich selbst, der Welt und dem Leben. Dies formuliert Cerny unter der Bezeichnung „Alphafaktor“ eigens aus [8]. Sein „mimesisPrinzip“ soll ergänzend das Planen und Handeln nach dem neuen Denkmodell ermöglichen und als Alternative zu konventionellen Vorgehensweisen mittels Analytik, Strategien, Methoden, etc. dienen [9].

Alphafaktor[Bearbeiten]

Nach Cerny ist der Alphafaktor eine aus seinem „Prinzip WIRKUNG!“ resultierende neue Form des Selbstverständnisses und der Weltanschauung auf der Grundlage der Erkenntnisse seit Albert Einstein. Dies führe zu einer gänzlich neuen Grundhaltung und Grundmentalität des Einzelnen und somit auch zu einem gesellschaftlichen Wertewandel, der sich auf sämtliche Bereiche des Lebens auswirke (Erziehung, Bildung, Management, Umwelt, Massenmedien, Forschung, Politik, etc.), ähnlich, wie sich das Welt- und Menschenbild durch z.B. Emanzipations- und Ökologiebewegung verändert habe. Der Alphafaktor sei damit auch ein alternatives Erkenntnismodell gegenüber etablierten Disziplinen (Psychologie, Pädagogik, etc.) und Methoden (NLP, Mind-Mapping, etc.), da dies Theorien seien, denen das überholte Denkmodell zugrunde liege.

mimesisPrinzip[Bearbeiten]

Das mimesisPrinzip soll Cerny zufolge die Handlungsmaxime sein, um dem neuen Denkmodell auch ein adäquates Planen, Entscheiden und Handeln folgen zu lassen. Das mimesisPrinzip sei damit eine Alternative zu den konventionellen Vorgehensweisen mittels Analysen, Strategien und Methoden, sowie im Management auch eine Alternative zum Marketing. Versuche, mimesisPrinzip und Marketing zu verbinden [10], widerspricht Cerny jedoch mit dem Verweis auf die jeweils unterschiedlichen grundlegenden Denksysteme. Nach Cerny könne das mimesisPrinzip durch die Erweiterung des Erkenntnis-, Entscheidungs- und Planungsrahmens grundsätzlich in allen Systemen (Politik, Wirtschaft, Management, Bildung, Gesundheit, Familie, Persönlichkeitsentwicklung, etc.) angewendet werden.

Veränderung (Change Management)[Bearbeiten]

Cerny zufolge lässt sich jedes menschliche System in letzter Konsequenz auf das Denken und Verhalten von Menschen reduzieren. Jedes Problem wie auch jeder Erfolg sei immer das Resultat zuvor getroffener Entscheidungen. Diese würden aufgrund von Prioritätensetzungen erfolgen, die ihrerseits auf Kriterien von u.a. richtig und falsch, wichtig und unwichtig, etc. basieren. Gerade Letztere würden jedoch eben nicht ursächlich der Ratio, Psyche dem Gehirn oder Genen des Einzelnen entspringen, sondern seien ein Effekt der kulturellen Prägung, nämlich durch die Europäische Dissoziation. Solange dies missverstanden bliebe, würden alle konventionellen Strategien, Konzepte und Maßnahmen lediglich dazu führen, „ein längst überholtes Denken zu optimieren“ [11]. Dies gelte prinzipiell für jegliche Systeme (Politik, Wirtschaft, Medizin, Bildung, Familien, etc.). Cerny setzt sich nachdrücklich dafür ein, jede Veränderung beginnend bei der Problematik der Europäischen Dissoziation zu überdenken und sämtliche Systeme daraufhin zu erneuern.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, BOD-Verlag Norderstedt, S. 272
  2. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 173
  3. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 63
  4. Maturana, Humberto und Varela, Francisco: Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens, Fischer, 5. Auflage 2012, S. 29
  5. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 251
  6. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 25
  7. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 179
  8. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 269
  9. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 317
  10. „Mit mimetischem Marketing in die Offensive“ „Näher Dran“, Ausgabe 03/2004, S. 4
  11. Cerny: WIRKUNG!, 3. Auflage, S. 171
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