Essen – Kulturhauptstadt Europas 2010

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17 deutsche Städte bewarben sich 2004 um den Titel der Kulturhauptstadt 2010. Früher oder später schieden sie alle gegen das Ruhrgebiet mit seiner Bannerträgerin Essen aus.

Inhaltsverzeichnis

Essen für das Ruhrgebiet[Bearbeiten]

Die Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2010 hat sich selbst den Namen RUHR.2010 gegeben, um den gemeinsamen Kulturhauptstadt-Status aller 53 Ruhrgebietsstädte mit 5,3 Millionen Einwohnern zu betonen. Nach den Regularien der Europäischen Union heißt jedoch die deutsche Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2010: Essen oder Essen für das Ruhrgebiet. Denn hiernach kann ausschließlich eine europäische Großstadt und nicht eine Region oder ein Land Kulturhauptstadt Europas sein. Gleichwohl wurde die regional ausgerichtete Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2010 und die Stellvertreterrolle Essens für das gesamte Ruhrgebiet ausdrücklich gewürdigt. So heißt es in der Empfehlung der vom Bundesrat und der Kultusministerkonferenz berufenen bundesdeutschen Jury: „’Essen für das Ruhrgebiet’ will eine ganze Region kulturell umwidmen und für eine von Wissen und Kultur geprägte Zukunft erschließen…“[1]
Die Funktion der Ruhrgebietsrepräsentantin war der Folkwang-Stadt Essen von der Verbandsversammlung des RVR (Regionalverband Ruhr), dem so genannten Ruhrparlament, nach interner Abstimmung über die Bewerbungen der Städte Essen und Bochum übertragen worden.

Organisation[Bearbeiten]

Motor und Moderator der Bewerbung um die Kulturhauptstadt war der langjährige Essener Kulturdezernent Prof. Dr. Oliver Scheytt, der nach Gründung der RUHR.2010 GmbH in deren Geschäftsführung berufen wurde. Die Gesellschaft mit Sitz in Essen hat die Aufgabe, das Kulturhauptstadtjahr auf regionaler Ebene inhaltlich und organisatorisch vorzubereiten und auszurichten. Sie wird unterstützt und ergänzt von den kommunalen Kulturhauptstadt-Beauftragten in allen Ruhrstädten. Essen ist als einzige Ruhrgebietsstadt auch Gesellschafterin der RUHR.2010 GmbH – die übrigen drei Gesellschafter sind das Land NRW, der Regionalverband Ruhr und die Wirtschaftsvereinigung Initiativkreis Ruhr – und brachte einen Anteil von 6 Mio. Euro in die Regionalgesellschaft ein.

Stadtentwicklung seit der Nominierung zur Kulturhauptstadt[Bearbeiten]

In Essen hat bereits während des zunehmend erfolgreichen Bewerbungsprozesses, aber insbesondere nach der Nominierung zur Kulturhauptstadt eine stürmische Stadtentwicklung eingesetzt. Bis 2010 werden Bauvorhaben im Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro realisiert sein.

  • Von der Bevölkerung besonders begrüßt wird die seit mehr als zehn Jahren immer wieder verschobene Sanierung des Hauptbahnhofs.
  • Eins der größten innerstädtischen Einkaufszentren Deutschlands mit 70.000 Quadratmetern und 3.000 Metern Schaufensterfront wird noch in 2009 am Limbecker Platz fertig gestellt.
  • Das seit 30 Jahren vernachlässigte Areal zwischen Innenstadt und Universität wird jetzt zum Grüngürtel mit hochwertiger Bebauung aufgewertet.
  • Der Konzern ThyssenKrupp verlegt seine Konzernzentrale von Düsseldorf nach Essen und baut für 300 Millionen Euro eine neue futuristisch anmutende Hauptverwaltung mit einer Führungsakademie, einem Hotel und einem benachbarten Bürgerpark auf historischem Boden der „Fried. Krupp Gussstahlfabrik“, der 200 Jahre lang der Bevölkerung nicht zugänglich war. Mittelpunkt des Parks, der durch einen nach dem Vorsitzenden der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Berthold Beitz, benannten Boulevard erschlossen wird, ist ein 10.000 Quadratmeter großer See mit einer Bühne. Die nördliche Hälfte des Parks wurde am 22. August 2009 der Bevölkerung übergeben. Die Hauptverwaltung und die als Krupp-Gürtel bezeichnete Grünfläche bilden das Zentrum eines zu zwei Dritteln entwickelnden Areals von 230 Hektar, des ehemaligen Krupp-Werksgeländes, das fast dreimal so groß ist wie die Essener Innenstadt.
  • Auch E.ON Ruhrgas baut bis Dezember 2009 nah der Messe Essen eine neue Hauptverwaltung, die durch zwei ellipsenförmige transparente Türme auffällt.
  • In der umgebauten Kohlenwäsche der Weltkulturerbe-Zeche Zollverein entsteht unterdessen eines von fünf geplanten großen Besucherzentren, die 2010 die Türen zum Ruhrgebiet öffnen sollen.
  • Am selben Ort präsentiert das neue Ruhr Museum ab Januar 2010 der Öffentlichkeit seine umfassende multimediale Ausstellung zur geologischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Region Ruhrgebiet.
  • Das Museum Folkwang, das vor allem für seine hochrangige Sammlung zur Klassischen Moderne bekannt ist, weiht gleichfalls Anfang 2010 einen Neubau ein, der nach dem Entwurf des britischen Architekten David Chipperfield errichtet wurde. Der 55 Millionen teure Museumsbau ist ein Geschenk der Krupp-Stiftung und ihres Vorsitzenden Berthold Beitz an die finanzschwache Stadt.

Kulturhauptstadt-Programm[Bearbeiten]

Das Gesamtprogramm der Metropole Ruhr in 2010 wird von der Regionalgesellschaft RUHR.2010 GmbH konzipiert und veranstaltet. Es umfasst rund 300 Projekte und Veranstaltungen, von denen fast jede dritte auch oder ausschließlich in Essen stattfindet. Zu den Leitprojekten, an denen Essen beteiligt ist, gehören u. a.:

  • Kulturkanal[2], der durch künstlerische Installationen und Aktionen belebte Rhein-Herne-Kanal,
  •  !SING[3], ein Projekt, das unter Einsatz von Chören und Solisten als Gesangsanimateuren möglichst große Teile der Bevölkerung an einem Tag auf Straßen und Plätzen, in Schulen, Bahnen und Kaufhäusern und am Abend im Schalke 04-Stadion zum gemeinsamen Singen ermuntern will,
  • Schachtzeichen[4], bei denen 50 Meter hohe leuchtend gelbe Ballons einige hundert Standorte ehemaliger Zechenanlagen kennzeichnen, die heute Grünanlagen, Sport- und Kulturstätten oder Wohngebiete sind,
  • Stillleben A40[5], eine 60 Kilometer lange Kulturtafel auf dem gesperrten Ruhrschnellweg (der A 40) zwischen Duisburg und Dortmund und
  • TWINS.2010[6], ein Gemeinschaftsprojekt der Ruhrstädte und ihrer europäischen Partnerstädte mit über hundert Veranstaltungen und Festivals.

Ein weiteres Leitprojekt, das nur in Essen veranstaltet wird, ist das

  • Ruhr-Atoll[7], eine Installation aus mehreren großflächigen Kunst-Inseln, das auf dem Baldeneysee verankert wird und mit Tret- oder Ruderbooten erreichbar ist.

Zudem tragen die Essener Kultureinrichtungen mit überregionaler Bedeutung – vor allem das Aalto-Theater, „Opernhaus des Jahres 2008“ im deutschsprachigen Raum, und das Grillo-Theater, „Bestes Schauspielhaus in NRW“ 2006 , 2007 und 2008 – mit einigen besonderen Inszenierungen zum Kulturhauptstadt-Programm bei.
Ein zentraler Bestandteil des stadteigenen Essener Programms ist die künstlerische Inszenierung des Kulturpfades zwischen Museum Folkwang und Marktkirche. Der Kulturpfad verbindet herausragende Kultureinrichtungen und markante, Stadtbild prägende Gebäude in der Essener Innenstadt und im Südviertel durch blau leuchtende Glassteine im Straßenpflaster.
Ein vollständiges, detailliertes Programmheft für das Kulturhauptstadtjahr wird im Spätherbst 2009 erscheinen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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