Ernst Leisi (Historiker)

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche
Merge-split-transwiki default 2.svg In der Wikipedia existiert ein Artikel unter gleichem Lemma, der jedoch von diesem in Art und/oder Umfang abweicht.

Ernst Leisi I (* 7. September 1878 in Kleindietwil bei Langenthal BE; † 5. April 1970 in Frauenfeld) war ein Schweizer Lehrer (Altphilologe), Schulrektor und Lokalhistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Ernst Leisi wurde 1878 in Kleindietwill bei Langenthal im Kanton Bern geboren, wo sein Vater Urs Leisi eine Mühle gepachtet hatte. Seine Mutter Maria Ritter von Haslen bei Burgdorf, ebenfalls eine Müllerstochter, hatte eine Ausbildung zur Primarlehrerin absolviert. Ernst war das älteste von vier Geschwistern. Seine Jugend verbrachte er vorwiegend in Stalden im Emmental, wo sein Vater ebenfalls eine Mühle betrieb. Zu Ostern 1885 kam Ernst in die Primarschule, eine Gesamtschule mit sieben verschiedenen Klassen. Der Lehrer von Ernst erkannte schon früh seine intellektuelle Begabung und liess ihn mehrere Klassen überspringen. Die Sekundarschule besuchte Ernst Leisi von 1889 bis 1894 im bernischen Aarberg, nachdem seine Familie nach Kappelen übersiedelt war. Den Latein- und Griechischunterricht erteilte ihm Pfarrer Volz, der Leisi bis in die Studienjahre unterstützte. Schon früh hatte der intelligente Knabe beschlossen, Lehrer zu werden. Er bewarb sich deshalb 1894 für einen Studienplatz im damals gutbekannten Lehrerseminar Hofwil bei Münchenbuchsee, besuchte das Seminar aber nur von 1894 bis 1895, weil sich ihm die Chance bot, mit einem Kameraden das Gymnasium in Zürich zu absolvieren. Die Auslagen für Kleidung, Essen und Logis wurde von dessen Vater übernommen, da Ernst Leisi selbst bitterarm war. Im Herbst 1897 bestand er die Maturitätsprüfung.

Kurz darauf immatrikulierte sich Leisi an der Universität Zürich. Er hatte sich entschlossen, Altphilologie zu studieren. Im Frühjahr 1906 schloss er dieses Studium mit dem Staats- und Doktorexamen ab. Seine Doktorarbeit trug den Titel „Der Zeuge im attischen Recht“ und wurde vom Dozenten für griechische und lateinische Literaturgeschichte Hermann Hitzig betreut. Leider waren diese Jahre durch eine Erkrankung an Tuberkulose getrübt und Auslandssemester sowie die Offiziersschule konnte sich Leisi aus finanziellen Gründen nicht leisten.

Im selben Frühling wurde Leisi als Lehrer für Latein und Griechisch an die thurgauische Kantonsschule in Frauenfeld gewählt, eine Schule, der er bis zu seiner Pensionierung im Herbst 1947 treu blieb. Leisi genoss im Kollegium hohes Ansehen. 1928 bis 1932 stand er der Schule als Korrektor vor und in den schwierigen Jahren 1932 bis 1944 als deren Rektor.

Am 25. Juli 1911 heiratete Ernst Leisi Maria Schneller, die er vom Oratoriengesangsverein und einem gemeinsamen Theaterspielen kannte. Am 4. August 1912 wurde die Tochter Meieli geboren und am 29.Juni 1918 Ernst, der spätere Ordinarius für englische Literatur und Sprache an der Universität Zürich. Ein weiteres Kind Hans überlebte seine Geburt am 16. Dezember 1920 nur um ein halbes Jahr. Anfangs Oktober 1914 zog die Familie von ihrer Wohnung an der Staubeggstrasse in ein eigenes Haus, das „Heimeli“ an der Neuhauserstrasse, ein Zuhause, das sie bis 1951 bewohnte.

Kurz nach der Wahl an die Kantonsschule wurde dem jungen Lehrer der Geschichtsunterricht anvertraut. Damit begann eine Leidenschaft, der er sein Leben lang verbunden blieb. Bereits im Jahre 1907 trat er dem Historischen Verein des Kantons Thurgau sowie der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft bei und gründete zusammen mit dem damaligen Seminardirektor Paul Häberlin und Pfarrer Michel in Märstetten die Sektion Thurgau des Schweizerischen Heimatschutzes. 1932 trat er dem Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung bei, der auch Mitglieder aus Deutschland und Österreich umfasste. 1936 wurde er in dessen Vorstand gewählt und übernahm trotz deutschem Protest in den Jahren 1941 bis 1951 das Präsidium. Auch den Historischen Verein des Kantons Thurgau präsidierte er seit 1936.

Auch nach seiner Pensionierung blieb Ernst Leisi der Heimatgeschichte verbunden. In zahlreichen Publikationen erforschte er die Historie seiner Wahlheimat. Viele dieser Arbeiten wurden ihm von aussen übertragen, so die Geschichte von Frauenfeld (1946) und von Amriswil (1957). Auch die Geschichte der Kantonsschule Frauenfeld, die 1959 ihr hundertjähriges Bestehen feierte, war eine Auftragsarbeit. Von grosser Bedeutung für die Geschichtsforschung des Kantons Thurgau war Leisis Arbeit am Thurgauischen Urkundenbuch. Nachdem er für den 3. Band (Frauenfeld 1925) zusammen mit Ernst Herdi die Register erstellt hatte, redigierte er den 4. Band (Frauenfeld 1931) zusammen mit Friedrich Schaltegger und zeichnete für den 5., 6., 7. und 8. Band (Frauenfeld 1937-1967) als allein Verantwortlicher.

Während seines langen Lebens unternahm Ernst Leisi immer wieder Ausflüge und Wanderungen in der Schweiz und im benachbarten Ausland, dies oft zusammen mit seiner Gattin und der Tochter Meieli. Dabei interessierten ihn nicht nur historische und kunstgeschichtliche Sehenswürdigkeiten, sondern auch Naturwissenschaftliches, vor allem die Botanik, über die er auch mehrfach publizierte.

Seine letzten Jahre verbrachte das Ehepaar Leisi im städtischen Altersheim in Frauenfeld, in das es am 25. Juli 1957 umgezogen war. Am 25. November 1965 erlitt Maria Leisi Schneller einen Schlaganfall, an dessen Folgen sie am 5. Dezember 1925 starb. Am 5. April 1970 folgte ihr Ernst Leisi in seinem 92. Lebensjahr, nachdem er zuvor noch die Ehrungen zu seinem 90. Geburtstag erlebt hatte.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Der Zeuge im attischen Recht. Huber, Frauenfeld 1907 (Diss. phil. I)
  • Die thurgauischen Parkbäume und Ziersträucher, in: Mitteilungen der thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft, Bd. 22 (1917), S. 4-71
  • Die Kirche St. Johann in Frauenfeld-Kurzdorf, in: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte 57/58 (1918), S. 36-63
  • Ratschläge für die Gestaltung unserer Friedhöfe. Frauenfeld 1919
  • Der schöne Hausgarten: Ratschläge für Gartenbesitzer. Frauenfeld 1923
  • Zur Geschichte von Freudenfels, in: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte 61 (1924), S. 32-35
  • Das Augustinerinnenklösterlein im Blümlistobel, in: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte 70 (1933), S. 36-56
  • Die Entstehung unserer Familiennamen. Veröffentlichungen der Heimatvereinigung am Bodensee H. 2 (1941)
  • Die St. Leonhardskapelle in Landschlacht, in: Thurgauer Jahrbuch 19 (1943), S. 18-21
  • Geschichte der Stadt Frauenfeld. Frauenfeld 1946
  • Das richtige Wappen des Thurgaus, in: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte 84 (1948), S. 111-115
  • Chronik des Kantons Thurgau: Geschichte, Kultur, Wirtschaf. Luzern 1950
  • Hundert Jahre Thurgauische Kantonsschule, 1853-1953. Festschrift. Frauenfeld 1953
  • Erchingen-Langdorf, ein Reichenauisches Dorf. Frauenfeld 1953
  • Geschichte von Amriswil und Umgebung. Frauenfeld 1957
  • Der Historische Verein des Kantons Thurgau von 1859-1959, in: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte 96 (1959), S. 1-44
  • Die Herren von Spiegelberg im Thurgau und im Linzgau, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 79 (1961)
  • Schloss Arenenberg, in: Burgen, Schlösser und Burgherrengeschlechter der Ostschweiz. Trogen 1970, S. 94-96
  • Schloss Eugensberg, in: Burgen, Schlösser und Burgherrengeschlechter der Ostschweiz. Trogen 1970, S. 97-98

Nachrufe[Bearbeiten]

  • Thurgauer Zeitung, 6. April 1970, S. 17
  • Thurgauer Volkszeitung, 6. April 1970, S. 5
  • Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, H. 108 (1970), S. 5-14
  • Thurgauer Jahrbuch 1971
  • Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 89 (1971), S. V-VIII

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Herdi: Ernst Leisi, in: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Supplement. Neuenburg 1934, S. 103
  • Albert Schoop: Ernst Leisi zum 90. Geburtstag, in: Thurgauer Zeitung vom 6. September 1968
  • Ernst Nägeli: Bechtelistag. Porträts prominenter Frauenfelder. Frauenfeld 1976, S. 25-31

Weblinks[Bearbeiten]

  Dieser Wikipedia-Artikel wurde, gemäß GFDL, CC-by-sa mit der kompletten History importiert.