Erich Hertel (Widerstandskämpfer)

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Zuchthausentlassung und KZ-Überstellung
Schutzhaftbefehl der Gestapo

Erich Hertel (* 27. Mai 1907 in Arnstadt; † 6. Dezember 1966 in Plaue) war ein deutscher Kommunalpolitiker (KPD/SED) und Widerstandskämpfer in der Zeit des Nationalsozialismus.

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Leben[Bearbeiten]

Erich Hertel besuchte vom 1. April 1913 bis zum 1. April 1921 die Volksschule in Arnstadt. Vom 1. April 1921 bis zum 1. Oktober 1924 absolvierte er eine Lehre als Schlosser, welche er mit der Gesellenprüfung abschloss. Schon früh schloss er sich der KPD an und wurde Kassierer des Kreisverbandes in Arnstadt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er aktiv am Widerstand beteiligt. Er war unter anderem an der Beschaffung und Verteilung von antifaschistischen Flugblättern aus der Tschechoslowakei beteiligt, sorgte für konspirative Übernachtungsmöglichkeiten für die Kuriere und sammelte Gelder für den Widerstand.

Der verhaftete Widerständler Walter Wunsche verriet unter Folter jedoch die Widerstandszelle, was am 16. April 1934 zur Verhaftung und Anklage der Gruppe durch die Oberstaatsanwaltschaft Jena führte. Erich Hertel wurde zu 2 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus verurteilt. Am 5. Dezember 1936 wurde er aus dem Zuchthaus Untermaßfeld entlassen, jedoch sofort ins KZ Bad Sulza überstellt und für unbegrenzte Zeit in Schutzhaft genommen.

Im Juli 1937 gehörte er zur ersten Gruppe von KZ Häftlingen, welche das KZ Buchenwald errichten mussten. Im April 1939 wurde er aus dem KZ Buchenwald entlassen und für „wehrunwürdig“ erklärt.

Vom 20. April 1939 bis zum 15. Dezember 1939 war er als Tiefbauer tätig. Vom 16. Dezember 1939 bis zum 28. Januar 1943 arbeitete er als Schlosser und Einrichter. In der Zeit lernte er seine Frau Helene (geborene Schirm) kennen, ihr gemeinsamer Sohn Bernhard Hugo wurde am 19. Juli 1941 geboren.

Am 22. Januar 1943 wurde Erich Hertel für wehrwürdig erklärt und der Ersatzreserve überstellt. Am 5. Februar 1943 kam er zur 3./Abt. des Regiments 999 (Strafdivision) einem Bewährungsbataillon ins Lager Heuberg. Er wurde als Kraftfahrer der Klasse 2 und 3 ausgebildet. Seiner Frau verriet er vor seinem Abmarsch, dass er überlaufen wolle, sollte er an der Ostfront eingesetzt werden (eine andere Landfront zum Überlaufen gab es damals noch nicht). Nachdem die Einsatztruppe in Griechenland durch „Überläufer“ zu den Partisanen schwer geschwächt wurde, erfolgte ihre Verlegung nach Rhodos. Hier erst erreichte Erich Hertel den Einsatzverband und kam ab dem 18. Juni 1943 zur Sicherung der Insel Rhodos zum Einsatz. Am 1. April 1944 wurde er zum Wart II. Klasse ernannt und am 1. Oktober 1944 zum Gefreiten befördert. An Kampfhandlungen hat er und seine Einheit auf Rhodos nicht teilgenommen, denn es gab keine.

Auf Rhodos erlebte seine Einheit das Kriegsende und ging am 9. Mai 1945 geschlossen in britische Kriegsgefangenschaft. Die Gefangenen wurden in der ägyptischen Wüste ohne Schutzbehausung inhaftiert, die Sterblichkeit unter den bis dahin gesunden und kräftigen Männern war hoch. Der Einheit wurde ihre Winterkleidung verweigert und auch die Verpflegung war äußerst mangelhaft. Nach der Aussage Erich Hertels überlebten sie nur, weil ein britischer Wachsoldat für sie wilderte und immer wieder eine erlegte Gazelle oder ähnliches über den Zaun warf. Den Briten war bekannt, dass sich in dieser Einheit in erster Linie nur Gegner Hitlers befanden. Erst 1946 wurden die Reste der Einheit nach Deutschland verlegt. Die Verlegung geschah an Bord eines Kohlenfrachters. Nicht wenige der ausgemerkelten Gefangenen verstarben auf dem Transport, insbesondere während eines Sturmes in der Biskaya. Erich Hertel gelangte 1946 in ein Gefangenenlager in Norddeutschland.

Hier erkannte ihn 1947 während eines Arbeitseinsatzes ein ehemaliger Mitstreiter, der umgehend seinen Bruder Otto Hertel informierte. Otto Hertel hatte in der sowjetisch besetzten Zone inzwischen Karriere gemacht. Ihm war Ende 1942 die Flucht aus dem Zuchthaus Brandenburg gelungen und er hatte sich erfolgreich bis zur Ostfront durchgeschlagen. Otto Hertel suchte das britische Kriegsgefangenenlager auf und verlangte die sofortige Freilassung seines Bruders. Nach anfänglichem Weigern der Briten wurde Erich Hertel aus der britischen Gefangenschaft entlassen, jedoch musste dazu sein Bruder erst damit drohen, das nächste mal mit den Sowjets wiederzukommen und das ganze zum politischen Skandal zu machen, der es ohnehin war. Die Briten fanden recht schnell heraus, dass er es ernst meinte.

Erich Hertel kehrte nach Thüringen zurück und traf dort wieder auf den ihn unter Folter verratenden Walter Munsche, dem er jedoch verzieh.

Erich Hertel arbeitete vom 15. Februar 1947 bis zum 31. August 1949 als Werber für den Thüringer Volksverlag. Vom 1. September 1949 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben am 21. Oktober 1960 arbeitete er für die Chemischen Maschinenbauwerke Rudisleben, dem späteren VEB Chema Rudisleben, als Werksschutzleiter und BGL-Vorsitzender. Auch nach seiner Invalidisierung war weiterhin ehrenamtlich zum Beispiel als Ortsteilbürgermeister tätig. Eine nennenswerte Karriere machte er in der DDR aber nicht. Er war mit der stalinistischen Ausrichtung der SED nie einverstanden und machte daraus auch keinen Hehl.

Erst nach seinem Tod am 6. Dezember 1966, dem 58. Geburtstag seiner Ehefrau, wurde er in der DDR geehrt. Die Kampfgruppe des VEB Chema Rudisleben wurde nach ihm benannt, gleichfalls das Ferienheim für Verfolgte des Naziregimes in Frankenhain.

Einzelnachweise[Bearbeiten]


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