Erich Deutschbein

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Erich Deutschbein (* 14. Juli 1892 in Eisenberg (Thüringen); † 27. Januar 1948 in Hannover) war als SS-Standartenführer (SS-Nr. 344311) und Regierungsdirektor Leiter der Staatspolizeistelle Stettin (Stapo Stettin) und Polizeipräsident von Oberhausen und Hannover.

Ausbildung und Studium[Bearbeiten]

Als Sohn des Postsekretärs Ammon Deutschbein und seiner Ehefrau Louise Diener besuchte er das technische Gymnasium in Eisenberg. Seine Prüfung zum Abitur bestand er im Jahre 1911. Danach nahm er das Studium der Rechtswissenschaften in München und Halle-Wittenberg auf, das er 1914 beendete. Am 8. August 1914 legte er noch die Prüfung zum ersten juristischen Staatsexamen in Naumburg ab. Es folgte der Dienst als Soldat im Ersten Weltkrieg bis 1919. Danach gehörte er einem Freikorps an.[1]

Juristische Laufbahn[Bearbeiten]

Im Jahre 1919 erlangte er noch die Promotion mit dem Thema Die Rechtsstellung des Reichsbahnbeamten[2] zum Dr. jur. in Wittenberg-Halle. Nach dem Soldatendienst setzte er seine unterbrochene juristische Ausbildung fort. Beim Amtsgericht Eisenberg betätigte er sich ab dem 1. Oktober 1919 als Gerichtsreferendar. Zum Landgericht Altenburg wechselte er zum 1. April 1921. Ab dem 1. November 1921 betätigte er sich als Regierungsreferendar bei der preußischen Regierung in Stettin. Im Mai 1925 wechselte er in eine Stelle als Regierungsassessor nach Stade. Nach Stettin kehrte er im Jahre 1928 zurück.

Positionen im NS-Regime[Bearbeiten]

Mitglied in der NSDAP wurde er am 1. April 1933. Zu dieser Zeit nahm er Aufgaben in politischen Angelegenheiten als Regierungsrat beim Regierungspräsidenten von Stettin wahr. Am 2. Mai 1933 fand beim Sitz des Regierungspräsidenten von Stettin eine Sitzung mit Deutschbein statt, in der die Einrichtung der Staatspolizeistelle Stettin (Stapo Stettin) als Dienststelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) beschlossen wurde.[3] Im Juli 1933 wurde er zum Leiter der Stapo Stettin ernannt. Am 26. September 1933 wurde er von Fritz-Karl Engel abgelöst, der einen strikten Regimekurs führte und als Polizeipräsident eingesetzt war. Deutschbein wechselte danach zum 1. Januar 1935 ins Polizeipräsidium von Stettin. Ab dem 15. März 1935 nahm er eine Position im Polizeipräsidum von Halle ein. Ins Polizeipräsidium Kiel wechselte er zum 1. November 1937. Inzwischen zum Regierungsdirektor befördert, nahm er am 1. Mai 1939 eine Position im Oberpräsidium Ostpreußen in Königsberg ein.

Zum 2. Januar 1942 wurde er erst in Vertretung, dann am 14. Oktober 1942 endgültig zum Polizeipräsidenten von Oberhausen ernannt[4]. Seine Versetzung nach Hannover erfolgte am 1. Juli 1943, um dort die Position des Polizeipräsidenten einzunehmen. Am 10. April 1945 endete praktisch seine Dienstzeit als Polizeipräsident, als US-Truppen Hannover besetzten[5]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Als Angehöriger der Gestapo und der Polizei wurde er am 8. Mai 1945 verhaftet und bis zum 20. Juli 1947 interniert.[6] Die englischen Militärbehörden untersuchten Deutschbeins Verhalten gegenüber abgeschossenen alliierten Fliegern. Unter diesem psychologischen Druck, den er nicht mehr trage konnte, beging er am 27. Januar 1948 Selbstmord.

Von deutscher Seite wurde trotzdem nach seinem Tod ein Verfahren wieder aufgenommen, weil seine Witwe eine Hinterbliebenenrente beanspruchte. Bei der Berechnung dieser Bezüge spielte wesentlich eine Rolle, ob Deutschbein den Nationalsozialismus wesentlich gefördert hatte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Romeyk: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816 - 1945. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-7585-4, S. 407–408.
  2. Wilhelm Deutschbein: Die Rechtsstellung des Reichsbahnbeamten. Dessau 1927, DNB 570080320, OCLC 58433883 (Die Dissertation erschien unter dem Namen "Wilhelm Deutschbein", da sein vollständiger Geburtsname Albert Wilhelm Erich Deutschbein lautete).
  3. Robert Thévoz, Hans Branig, Cécile Lowenthal-Hensel: Pommern 1934/35 im Spiegel von Gestapo-Lageberichten und Sachakten (Quellen). G. Grote, Köln 1974, ISBN 3-7745-0295-1, S. 20.
  4. Stadtkreis Oberhausen. Polizeipräsident (Polizeipräsidium Oberhausen). In: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 - 1945. Rolf Jehke, 25. Februar 2009, abgerufen am 26. Februar 2014.
  5. Das Datum des Endes seiner Amtszeit als Polizeipräsident in Hannover wird auch mit dem Tag der Kapitulation am 8. Mai 1945 in der Literatur angegeben
  6. Frank Liebert: "Die Dinge müssen zur Ruhe kommen, man muss einen Strich dadurch machen" - Politische "Säuberung" in der niedersächsischen Polizei 1945 - 1951. In: Gerhard Fürmetz, Herbert Reinke, Klaus Weinhauer (Hrsg.): Nachkriegspolizei - Sicherheit und Ordnung in Ost- und Westdeutschland 1945 - 1969 (= Forum Zeitgeschichte). Band 10. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-935549-69-5, S. 75 u. 88.
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