Entscheidungsstil

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Unter Entscheidungsstil versteht man die Art und Weise, wie Manager in Unternehmen oder Organisationen Entscheidungen treffen.

Inhaltsverzeichnis

Die drei Entscheidungstypen nach Mintzberg[Bearbeiten]

Henry Mintzberg unterscheidet drei Typen von Entscheidungsstilen, die in Entscheidungsverfahren oder -prozessen relevant sind: "Thinking First" (Zuerst denken), "Seeing First" (Zuerst sehen) und "Doing First" (Zuerst handeln).

Thinking First[Bearbeiten]

Unter „Thinking First“ versteht Mintzberg den rationalen Entscheidungsstil, der von Managern am häufigsten angewendet wird und durch einen klar strukturierten Prozess gekennzeichnet ist: Zuerst wird das Problem definiert (1), dessen Ursachen festgestellt (2), als nächstes Lösungsansätze gesucht (3), um sich schließlich für die beste Alternative zu entscheiden (4).

Dieser Entscheidungstyp, der sich an Fakten orientiert, kann nur unter bestimmten Voraussetzungen zum Erfolg führen:

  • die Problemstellung ist klar,
  • zuverlässige Daten sind vorhanden,
  • die Zusammenhänge sind strukturiert,
  • sorgfältige Überlegungen werden angestellt
  • und ein disziplinierter Prozess ist gegeben.

Ein typisches Beispiel ist der Produktionsprozess, bei dem für alle Arbeitsgänge und –abläufe genaue Vorgaben der Planung und Programmierung bestehen.

Die Grenzen des rationalen Entscheidungsstils zeigen sich, sobald eine Situation komplexer ist und der Entscheidungsprozess anders verläuft, als anfangs erwartet. Sind etwa für den Bau eines neuen Betriebes Entscheidungen zu treffen, so wird der Entscheidungsprozess häufig von neuen Ereignissen oder Lösungsalternativen unterbrochen und beeinflusst. Zu beachten ist, dass eine endgültige Lösung auch ohne längere Analyse gefunden werden kann, indem sie durch eine plötzliche Erkenntnis auftaucht und sofort angenommen wird.

Deshalb empfiehlt Mintzberg Managern neben dem „Thinking First“ noch zwei weitere Formen des Entscheidungsstils anzuwenden.

Seeing First[Bearbeiten]

Der intuitive Entscheidungsstil "Seeing First" basiert auf Ideen, die durch kreatives Entdecken entstehen.

Als der britische Mediziner Fleming den Schimmelpilz sah, der eine keimtötende Wirkung hatte, führte diese Erkenntnis später zum Antibiotikum Penicillin. Dasselbe gilt auch für die strategische Vision. Eine Vision erfordert den Mut, etwas zu sehen, was andere nicht sehen, das heißt das Vertrauen und die Erfahrung zu haben, den Einfall richtig zu deuten und umzusetzen.

Der Prozess des kreativen Entdeckens lässt sich in vier Stufen aufteilen. Die Vorbereitungszeit, in der Wissen gesammelt wird, wird von der Phase der Inkubation abgelöst, in der unbewusst über das Problem nachgedacht wird. Zur Erkenntnis kann man dabei ganz unerwartet gelangen. Die Lösung logisch zu argumentierten und zu beweisen bereitet jedoch größere Schwierigkeiten.

Der intuitive Entscheidungsstil ist dann effektiv, wenn

  • viele Elemente zu kreativen Lösungen kombiniert werden sollen
  • sowie Verbundenheit und Kommunikation,
  • insbesondere über die Abteilungen hinaus, gefördert werden.

Anwendung findet dieser Entscheidungstyp häufig in der Produktentwicklung.

Doing First[Bearbeiten]

Der Entscheidungstyp „Doing First“ ist hingegen handlungsorientiert, weil er dem Learning-by-doing-Prinzip folgt.

Manager sind demnach erfolgreich, wenn sie Erfahrungen sammeln, verschiedene Maßnahmen ausprobieren und nur die besten beibehalten. „We don´t just think in order to act, we act in order to think“ (Mintzberg S. 91). Wir denken nicht nur, um zu handeln, sondern handeln auch, um zu denken. Um eine neue Strategie festzulegen bedarf es einiger Versuche, während eine formalisierte Strategiebildung durch den rationalen Entscheidungsstil die Lernbereitschaft behindern würde.

Am besten lässt sich „Doing First“ anwenden:

  • in einer neuartigen, komplexen Situation
  • in der keine komplizierten Regeln bestehen,
  • sondern durch einfache Beziehungen zwischen den Beteiligten
  • Bewegung und aktives Handeln gefördert wird.

Als Beispiel sind Unternehmen zu nennen, die mit veränderten Technologien konfrontiert sind.

Fazit[Bearbeiten]

Manchmal widersetzen sich Entscheidungen der reinen stufenweisen Logik. Um effektiv zu sein, sollten Unternehmen auch die intuitiven oder die handlungsorientierten Formen des Entscheidungsstils berücksichtigen. Wenn Manager einen Mix aus allen drei Sichtweisen anwenden, können sie die Qualität ihrer Entscheidungen erheblich verbessern.

Weitere Entscheidungstypen[Bearbeiten]

In der Literatur sind weitere Entscheidungsstile beschrieben, die sehr oft Ähnlichkeiten mit dem rationalen Entscheidungsstil Mintzbergs aufweisen. Die Situation wird demnach genau analysiert, um Lösungen zu finden und zu bewerten. Als nächstes wird die beste Lösungsalternative ausgewählt und durch eine Handlung umgesetzt. Die anschließende Bewertung soll zeigen, ob das Problem effektiv gelöst wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mintzberg, H; Westley, F.: Decision Making: It´s Not What You Think, MIT Sloan Management Review; Spring 2001; 42,3; ABI/INFORM Global pg.89
  • Businessline, Chennai: Decision Making In Management, June 15, 1998; pg.1
  • Henderson, J.; McAdam, R.: Decision Making In The Fragmented Organisation: A Utility Perspective, Management Decision, 2001; 39,5/6; ABI/INFORM Global pg.461
  • Barber, S.: Navigating The Emerging Decision Making Paradigm, Journal for Quality and Participation, March 1995; 18,2; ABI/INFORM Global pg.56


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