Emma Weingand

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Emma Weingand, geb. Schliz (* vor 1914 in Tettnang; † nach dem 25. März 1956 in Heilbronn) fertigte zusammen mit ihrem Mann Karl Weingand das „Heilbronner Altstadt-Modell“ an.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Emma Weingand fertigte mehrere Planskizzen zur Stadtgeschichte der Stadt Heilbronn an und kopierte die Akten zum letzten Hexenprozess in Heilbronn, der 1694/95 von der Reichsstadt gegen Anna Maria Weigand geführt worden war. Die Abschrift befindet sich heute im Stadtarchiv Heilbronn, während das Original bei den Luftangriffen auf Heilbronn verbrannt ist.

Im Stadtarchiv sind auch Emma Weingands Pläne zur Altstadt Heilbronns erhalten: In Spuren einer Umwallung beim Deutschhof vermutet Weingand als Vorgängerbau des Deutschordenshofes einen Burggraben und Wehrturm.[2] In Spuren des einstigen Klosters im Katharinen-Spital Heilbronn beschreibt Weingand den Vorgängerbau der Katharinenspitalkirche als „romanische Kirche“.[3]

Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie ein Modell von Alt-Stuttgart,[4] das bei der Landesausstellung in Stuttgart-Killesberg von 1. Juli bis 2. Oktober 1955 ausgestellt wurde. Den Beginn der Arbeiten am Modell von Heilbronn um 1800 erlebte sie noch, nach ihrem Tod wurden die Arbeiten von der gemeinsamen Tochter Lore fortgeführt.[5] Das Heilbronner Modell befindet sich im Haus der Stadtgeschichte.

Forschungsgegenstände[Bearbeiten]

Hexenprozess[Bearbeiten]

 
Die „Hexensäulen“ standen vor der Stadtmauer Heilbronns beim zweiten jüdischen Friedhof neben der Steinbrücke zum Brückentorturm

Emma Weingand hatte vor dem Zweiten Weltkrieg die Akten des Falls der Witwe Anna Maria Weigand abgeschrieben, die Akten selbst wurden beim Luftangriff auf Heilbronn 1944 zerstört. Emma Weingands Abschrift befindet sich heute im Stadtarchiv Heilbronn.

Gegen die Witwe Anna Maria Weigand wurde 1694/95 der letzte Hexenprozess in Heilbronn geführt. Ein Jahr nach der Anklage verstarb die Frau. Der angeblichen Hexe wurde vorgeworfen die 12-jährige Tochter des Stadtfischers Winter nachts entführt zu haben. Anschließend seien sie auf einer Gabel reitend durch die Luft geflogen und durch den Schornstein in ein Haus eingedrungen, wo sie sich mit zwölf anderen Frauen und einem schwarzen Mann in grünem Rock mit Federbusch auf dem Kopf getroffen hätten.[6] Der Stadtsyndicus Wolfram war im letzten Hexenprozess für die Frage der Verhaftung und Folterung der Weingandin zuständig. Die zu diesem Zweck errichteten „Hexensäulen“ standen vor der Stadtmauer Heilbronns beim zweiten jüdischen Friedhof neben der Steinbrücke zum Brückentorturm.[7][8]

Katharinenspital[Bearbeiten]

 
Das Katharinenspital gilt als Standort des Königshofes in Heilbronn.
 
Predella aus der Johanneskapelle, die ebenso als Standort des Königshofes in Heilbronn gilt.

In der Skizze Spuren des einstigen Klosters im Katharinen-Spital Heilbronn, einer nach der 1895 erschienen Heilbronner Chronik von Friedrich Dürr angefertigten Skizze, weist Emma Weingand auf eine „romanische Kirche“[3] als Vorgängerbau der gotischen Katharinenspitalkirche hin, die 1483 aus einer älteren Kapelle hervorgegangen war, während der Reformation evangelisch geworden ist und nach einem Brand im Jahr 1624 als Dreifaltigkeitskirche im Stil der Renaissance wiederaufgebaut worden war. Die Kirche wurde bis 1807 zu Gottesdiensten genutzt und 1871 abgerissen.[9]

Deutschhof[Bearbeiten]

 
Das Deutschhaus wurde auch als Standort des Königshofes Heilbronn vermutet.

In ihrer Zeichnung Spuren einer Umwallung beim Deutschhof vermutet Emma Weingand als Vorgängerbauten des Deutschhofs einen Burggraben und einen Wehrturm. Darin beschreibt sie, dass das Breitenmaß der Deutschhofscheuer die Vermutung erlaubt, dass die Deutschhofscheuer über den Burggraben gebaut wurde. Dadurch sei es unnötig geworden, einen Keller zu graben; dieser sei bereits durch den vorhandenen Burggraben gegeben gewesen. Emma Weingand meint, dass der sehr starke Eckpfeiler an dem Bau des Refektoriums den Rest eines Wehrturmes darstellen könnte. Das Wasser des Kirchbrunnenbachs floss im ehemaligen Burggraben, ein Teil des Deutschhofes wurde auf dem staufischen Zwinger errichtet.[2]

Rezeption[Bearbeiten]

Das Weingandsche Stadtmodell wurde in mehreren jüngeren Heilbronner stadtgeschichtlichen Publikationen mit Hinweis auf seine Urheber erwähnt, so von Christhard Schrenk in Von Helibrunna nach Heilbronn[10] oder in Heilbronn historisch! Entwicklung einer Stadt am Fluss.[11] Der Filmemacher Hajo Baumgärtner filmte 2005 das Stadtmodell mit einer Miniaturkamera und entwickelte aus den Kamerafahrten zur Geschichtsausstellung im Stadtarchiv einen virtuellen Stadtspaziergang durch Heilbronn um 1800.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Signatur ZS-11426 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de
  2. 2,0 2,1 Signatur: E005-520-0 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de: „Spuren einer Umwallung beim Deutschhof“
  3. 3,0 3,1 Signatur: E005-514-0 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de:„Romanische Kirche, Mauern, Altane, Steinplattenbelag-Fußboden, Pforte zur Brunnenkapelle; Grundriß“.
  4. Kurt Leipner: Chronik der Stadt Stuttgart: 1949-1953, Klett, Stuttgart 1977, ISBN 3129104208, S. 54
  5. Mit scharfem Blick und ruhiger Hand - Karl Weingand. Haus der Stadtgeschichte Heilbronn, abgerufen am 29. Januar 2015.
  6. Signatur: ZS-4907 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de: „Hexenprozesse in Heilbronn“
  7. Wilhelm Steinhilber: Der letzte Heilbronner Hexenprozeß 1695. In: Schwaben und Franken. 7 (1961) Heft 5 und 6.
  8. Der letzte Heilbronner Hexenprozess 1694/95. auf stadtarchiv.heilbronn.de
  9. Schrenk et al.: Von Helibrunna nach Heilbronn, eine Stadtgeschichte. Heilbronn 1998, S. 13/14.
  10. Christhard Schrenk, Hubert Weckbach, Susanne Schlösser, Siegfried Schilling: Von Helibrunna nach Heilbronn. Eine Stadtgeschichte. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. 36.) Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-1333-X, S. 13.
  11. Christhard Schrenk, Peter Wanner: Heilbronn historisch! Entwicklung einer Stadt am Fluss, Heilbronn 2013. (= Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn 62.; MUSEO 26.) Heilbronn Stadtarchiv, Heilbronn 2013, ISBN 978-3-940646-11-8, S. 62/63.
  12. Gertrud Schubert: Ein Spaziergang durch Heilbronn um 1800, Heilbronner Stimme, 29. April 2005
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