Ein Stück Himmel (Folge 3)

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Filmdaten
OriginaltitelEin Stück Himmel
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1982
Länge8 x 60 und 2 x 115 Minuten
Stab
RegieFranz Peter Wirth
DrehbuchGünter Kunert nach einem Roman von Leo Lehmann
ProduktionBavaria Atelier GmbH
im Auftrag des WDR
MusikEugen Thomass
KameraGernot Roll
Besetzung

Die 3. Folge der TV-Serie Ein Stück Himmel ist ein Fernsehfilm aus der Fernseh-Serie Ein Stück Himmel. Der Film wurde vom WDR produziert und am 3. Mai 1982 auf ARD zum ersten Mal gesendet.

Handlung[Bearbeiten]

Marek, Celia und Janina ziehen 1940/1941 in die Wohnung der Frau Katz (Grete Zimmer) im den nun entstandenen Ghetto ein, wo sie zusammengedrängt in einem Zimmer mit Blick zum Hinterhof leben. Wenn sie aus dem Fenster steil nach oben sehen, erblicken sie über den Dächern des Hofs noch ein Stück Himmel. Das bedeutet für sie das letzte Stück Freiheit. Während im Hauptzimmer, die Familie Katz mit der jungen Rachel wohnt, verbleibt die Familie Dawidowicz im Hinterzimmer. Herr Katz (Josef Glas), der bei Polen arbeitet, verliert seine Arbeit und Frau Katz wird zunehmend ungehalten. Ihr Brüllen und Schreien ist ständig im Hinterzimmer der Dawidowicz zu vernehmen.

Die junge Rachel (Miriam Mahler) wohnt auch bei Frau Katz. Vor lauter Hunger stiehlt sie heimlich die versteckten Lebensmittelvorräte der Frau Katz und wird mangels Beweisen vor dem rabbinischen Gericht freigesprochen. Sie wurde von ihrem Verlobten verlassen, hat aber immer noch einen gepackten Koffer voller Aussteuer.

Im Hof können die Kinder des Hauses verschiedenen Künstler, Akrobaten und Schausteller zusehen. Die Kinder interessiert unter anderem Elias, ein ehemaliger Gelehrter, der nachts bei seinen Schwestern schläft, aber tagsüber von ihnen ausgeschlossen wird. Vor Hunger heult er dann wie Luftschutzsirene auf. Zum Vergnügen treiben und prügeln die Kinder auf ihn ein, bis er wie eine Sirene aufschreit.

Nina schließt mit Tosha Blutsbrüderschaft. Mit einer Rasierklinge schneiden sie sich beide in die Finger, saugen gegenseitig das Blut aus und umarmen und schwören sich daraufhin „Freundschaft bis zum Grab“. Nina und Tosha gehen regelmäßig zur Fräulein Bloch (Wega Jahnke), die sie zusammen mit anderen Kindern, unterrichtet. Der Unterricht wird abwechselnd in den Wohnungen der Schüler gehalten. Da jüdische Schulen verboten sind, fürchten sie Verrat und Entdeckung und erschrecken bei jedem Klingeln. Sie verstecken daraufhin das Schulmaterial.

November 1940 werden die Tore des Ghettos geschlossen und hunderttausende Menschen werden in das Ghetto getrieben. Typhus verbreitet sich.

Da der Strom nacht abgeschaltet wird, muss Nina bei Kerzenlicht studieren und verdirbt sich dabei die Augen. Bei einem Besuch des Augenarztes (Peter Capell) feilschen Mutter und Arzt wie auf einem Basar.

Chufka (Anja Müssiggang)ist ein jüdisches Mädchen, das im Hinterhof Bonbons und Karamell verkauft. Janina kauft ständig bei ihr ein, hat aber nun Schulden. Deswegen erhält Janina von der Verkäuferin keinen Kredit mehr. Als sie ihr jedoch wegen ihrem blonden Haar Komplimente macht, erhält sie Kredit und kann ein Bonbon kaufen. Nachdem der Typhus auch Chufka befallen hat, verliert sie ihr Haar büschelweise und ist nur noch mit einem Kopftuch zu sehen. Bei der „Umsiedlungsaktion“ am 22. Juli 1942 wird auch sie in den Osten deportiert.

Sie erhalten im Ghetto Besuch von Lydia, eine jüdische Antiquitätenhändlerin mit rotblonden gelockten Haaren. Marek kennt sie noch aus der Vorkriegszeit kennt und Lydia ist noch in Marek verliebt, obwohl sie inzwischen mit dem deutschen Fotographen Erich Grabowsky verheiratet ist und außerhalb des Ghettos mit ihren beiden Söhnen Paul und Thomeck in einer schönen Wohnung wohnt. Da die Familie Dawidowicz kein Geld hat, kommt sie nicht aus dem Ghetto heraus. Dazu bräuchten sie falsche Papiere, die kostspielig sind. Lydia deutet darauf mit wenigen Worten auf die Endlösung hin: „die Deutschen haben einen bstimmten Plan. Glaubt ihr dass sie darauf warten, bis ihr alle an Typhus gestorben seid? Es ist entsetzlich was geschehen wird.“ Lydia bietet an, Janina bei sich über Weihnachten aufzunehmen.

Frühjahr 1941 wächst die Übervölkerung des Ghettos an. Es sind über 500 000 Menschen. Es kommen weitere jüdische Menschen in das Ghetto, die aus Deutschland, Tschecheslowakei und der polnischen Provinz in überfüllten Güterzügen nach Warschau kommen.

Janina beschreibt die verschiedenen Stufen der Verelendung der Neuankömmlinge im Ghetto, wie sie dort ankommen,leben und im Elend umkommen. Da diese weder Wohnung noch Arbeit bekommen, müssen diese in den Straßen des Ghettos leben und dort betteln.

Als erste Stufe der Verelendung beschreibt Nina die Situation der Neuzugänge, die in den Straßen stehen, betteln und versuchen müssen mit ihrer neuen Situation klar zu kommen: „wie sie dort standen häufig gut gekleidet, wie verlegen und schweigend, als wären sie nur einen Augenblick stehen geblieben um sich umzusehen, bald zerbrach diese Haltung, und sie begannen Passanten am Ärmel festzuhalten erschrocken über ihre eigene Kühnheit und gleich Entschuldigung stammelnd.

Die zweite Stufe der Verelendung sei laut Janina erreicht, wenn sie vor lauter Schwäche nicht mehr aufrecht stehen könnten. Dann würden sie auf dem Bürgersteig sitzen und sich gegen die Hauswand lehnen. Inzwischen sei ihre gute Kleidung bereits eingetauscht und die Neuankömmline seien nur noch in Lumpen gekleidet. Ihre Gesichter seien dabei maskenstarr. Der Hunger ließe sie entweder zu einem Skelettartigen Wesen werden oder sie bekämen aufgeschwollene Hungerbäuche, die irgendwann einfielen. Den Leichen würden sofort die Kleider abgenommen und mit Zeitungen überdeckt, die mit Ziegelsteinen beschwert würden. So liegen diese auf der Straße bereit für den Abtransport. Morgens werden sie aufgesammelt.

Nina fragt sich ob die Bettelei der Anfang vom Ende sei und stellt sich die Frage: „Wenn jemand der gut gekleidet war, wenn der betteln muss, war das der erste Schritt ?“ Der einzige worüber sie vor Mitleid hätte weinen können, ist ein hochgewachsener Mann aus Deutschland. Er hat eine rote Decke um die Schultern gehüllt und geht in seinen Träumen versunken durch die Straßen des Ghettos. Das Mädchen vergleicht ihn mit einem verirrten König im Exil, der fern von seinem Land Asyl sucht.

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