Dramenform und Poetik des Dramas "Prinz Friedrich von Homburg"

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Dramenform[Bearbeiten]

Dramenform: geschlossenes Drama

Einheit des Ortes: zwei Orte (Schlösser und Gärten von Fehrbellin und Berlin, Gefängnis von Fehrbellin)

Einheit der Zeit: Zwei Tage

Einheit der Handlung: nicht befolgter Befehl, Strafe, Begnadigung (keine Nebenhandlung)

Exposition: Vorstellung der Personen; Vorstellung des Konfliktes (Befangenheit des Prinzen in seiner Traumwelt

Steigende Handlung: Zuspitzung des Konfliktes (Falschmeldung des Todes; Verstoß gegen Befehl)

Höhepunkt: Todesfurcht des Prinzen

Retardierender Moment in der fallenden Handlung: Verzögerung des Konfliktes ( bedingte Begnadigung des Prinzen durch den Kurfürsten)

Wendepunkt: Brief des Kurfürsten

Katastrophe: Todesstrafe

Sprache und Poetik[Bearbeiten]

Sprache und Stil[Bearbeiten]

Kleist verwendet in dem Drama "Prinz Friedrich von Homburg eine pathetische und bildreiche Sprache. Zudem nutzt er oft Einschübe und Unterbrechungen um Dynamik zu erzeugen. Auch stilistisch ist das Drama gut aufgebaut da durch die Stichomythie und die Antilabe [1] Spannung aufgebaut wird. Durch das dramatische Mittel der Teichoskopie (Mauerschau) wird die Sprache natürlicher und wirkt unmittelbar[2] . Die Tonversetzung der fünfhebigen Trochäen und Daktylen trägt an wichtigen Stellen dazu bei, die Stimmung und Geisteslage der Sprecher zu verdeutlichen: „Träum ich? Wach ich? Leb ich? Bin ich bei Sinnen“[3] ; Jedoch haben nicht alle Abweichungen des Dramenmaßes eine stilistische Wirkung, sodass Kleist des öfteren vom Blankvers abweicht und seine Zeilen oft auch sechs oder sieben Hebungen haben um den Inhalt des Gesprächs nicht zu zerteilen. Auch die allgemeine Länge der Hypotaxe erreicht oft eine Länge von sechs oder mehr Versen, wobei das Prädikat meist am Ende des Satzes zu finden ist. Zudem wird durch häufige Zeilensprünge und Ausrufen die nicht ins Metrum passen („Tor, der der bist, Blödsinniger“[4]) der verwirrte Zustand der Charaktere verdeutlicht.

Poetik des Dramas[Bearbeiten]

Die Poetik des Dramas ,,Prinz Friedrich von Homburg`` kann anhand mehrerer Gestaltungselementen beschrieben werden. Hierbei ist vor Allem der symmetrische Aufbau des Stückes wichtig. Damit ist gemeint, dass viele Parallelen zwischen der Anfangs-, und der Schlussszene vorhanden sind. So spielt die Handlung der beiden Szenen jeweils im Garten ab und auch die Stimmung ist identisch. Gegensätzlich ist allerdings der traumhafte Beginn, welcher durch Bedrängung der Realität abgelöst wird. Außerdem kann man erkennen, dass der Blankvers verwendet wird. Dies ist ein reimloser, fünfhebiger jambischer Vers oder auch jambischer Parameter genannt. Auffallend sind auch besondere Symbole in der Regieanweisung. So steht z.B. der Satz: ,,Es ist Nacht`` symbolisch für Chaos und Irrationalität: Ein anderes Gestaltungselement ist die Betonung der Gestik und der Gebärdensprache. Im ersten Akt, Szene 5 wird die polynome Handlungsführung deutlich, da hier drei Handlungen parallel ablaufen. Die Schlacht wird im Drama relativ kurz, jedoch sehr lebhaft dargestellt. Dies wird durch die Einwebung akustischer Eindrücke wie ,,Kanoneschüsse in der Ferne``, ,,Musketenfeuer´´ u.a. bewirkt.

Bildlichkeit des Dramas[Bearbeiten]

Bildlichkeit[Bearbeiten]

Kleist verwendet viele Bilder in seinem Drama. Die wichtigsten sind das Schloss, welches für Glanz, Macht, Ruhm, Pracht steht und durch das märchenhafte eine irreal überirdische Aura erhält; der Garten, welcher die rationale Gestaltungskunst symbolisiert und der Lorbeerkranz welcher für Ruhm und Macht steht. Das der Prinz von Homburg am Ende den Lorbeerkranz überreicht bekommt, ist ein Zeichen dafür, dass er sich seinen Ruhm verdient hat, und nun in den Garten hineinpasst, da sich seine Seele gewandelt hat. Allgemein verwendet Kleist meist Metaphern aus der Natur, welche er übersteigert und dadurch oft über die Realität herausstrebt (z.B. „Glanz der tausendfachen Sonne“[5]). Seine Vergleiche stammen aus der Welt der antiken, orientalischen und christlichen Kultur und Geschichte (z.B. „Stirn des Zeus“ [6]). Teilweise vermischt er diese Bereiche (vgl. Z.902ff), wodurch die Stärke des inneren Erlebens und die Aufruhr der Gefühle des Sprechers gezeigt werden.

Leitmotive[Bearbeiten]

Die sich immer wiederholenden Leitmotive des Dramas sind die Worte Traum, Gefühl, Empfindung, Herz, Sonne und Gold welche emotional und romantisch wirken und für den erträumten Glanz und Ruhm stehen. Zudem kehrt das Symbol Staub oft wieder, welches für Nichtigkeit, Zerstörung und Vernichtung steht.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. V. 66; EinFach Deutsch Prinz Friedrich von Homburg
  2. z.B. II,2;EinFach Deutsch Prinz Friedrich von Homburg
  3. z.B. V.765 EinFach Deutsch Prinz Friedrich von Homburg
  4. V. 1713; EinFach Deutsch Prinz Friedrich von Homburg
  5. V. 1832; EinFach Deutsch Prinz Friedrich von Homburg
  6. V. 158; EinFach Deutsch Prinz Friedrich von Homburg

Siehe auch[Bearbeiten]

Prinz Friedrich von Homburg

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