Darkroom-Mörder

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Die Taten des sogenannten Darkroom-Mörders sind eine Serie von drei Morden und eines Mordversuches, bei denen der Täter seine Opfer zunächst mit Liquid Ecstasy vergiftete, ausraubte und tötete. Der Täter, der seine erste bekannt gewordene Tat am 26. April 2012 beging, wird der Darkroom-Mörder genannt, da der erste öffentliche Fahndungsaufruf der 3. Mordkommission des Landeskriminalamtes Berlin nach Hinweisen in Zusammenhang mit einem Mordfall im Darkroom einer Berliner Schwulenbar vom 5. Mai 2012 aufrief.[1] Am 26. Mai 2012 gestand ein 37-jähriger Mann nach seiner Festnahme zunächst den Darkroom-Mord, einen Mordversuch (beide Taten vom 5. Mai 2012) sowie einen weiteren Mord vom 26. April 2012.[2] Im weiteren Verhör gestand der Täter zudem den Mord an einem weiteren Mann am 15. Mai 2012.[3] Nur ein Opfer überlebte die Überdosis.[4] Der mutmaßliche Täter befindet sich seit dem 27. Mai 2012 unter anderem wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in Untersuchungshaft.[5]

Taten[Bearbeiten]

Die Mordserie begann im April 2012 in Berlin. Der Täter, der als akzentfrei sprechender, kommunikativer Deutscher kräftiger Statur beschrieben wurde, suchte seine Opfer vorrangig in der Schwulenszene. In allen Fällen vergiftete er sie mit einer Überdosis Liquid Ecstasy und raubte ihnen anschließend Bargeld, Kreditkarten und andere Wertgegenstände. Die Opfer ließ er sterbend zurück. Er handelte nicht aus wirtschaftlicher Not, sodass es Hinweise darauf gibt, der Täter wollte sich durch die Morde einen „gewissen Kick“ verschaffen.[6]

Holzmarktstraße, Friedrichshain: Mord an Alexander M.[Bearbeiten]

Am 27. April 2012 wurde der 34-jährige Auszubildende Alexander M. tot in seiner Wohnung in der Holzmarktstraße in Berlin-Friedrichshain aufgefunden. Er starb infolge eines Atemstillstandes aufgrund einer Überdosis Liquid Ecstasy, welche ihm der Täter am Vorabend in ein Getränk mischte, als dieser das Wohnzimmer verließ. Kurz nachdem das Opfer arglos den tödlichen Mix aus Alkohol und Liquid Ecstasy zu sich nahm, brach er bewusstlos zusammen. Der Täter raubte Geld und andere Wertsachen aus der Wohnung des Opfers und verschwand. Der Täter und arglose Opfer galten seit längerem als befreundet.[7]

Boxhagener Straße, Friedrichshain: Mord an Nicky M.[Bearbeiten]

Gegen 6:30 Uhr des 5. Mai 2012 fand ein Mitarbeiter einer Berliner Schwulenbar in Friedrichshain im dortigen Darkroom den Leichnam des 32-jährigen Nicky M. Zu Beginn der Untersuchungen der Todesursache war unklar, ob es sich um einen Sex-Unfall oder ein Tötungsdelikt handelte, da am Hals des Opfers Würgemerkmale entdeckt werden konnten. Die Obduktion der Leiche, welche am gleichen Tag veranlasst wurde, ergab, dass der Großhandelskaufmann aus Prenzlauer Berg an einer Überdosis Liquid Ecstasy starb. Das Opfer traf im Darkroom auf seinen späteren Mörder und trank mit ihm, wurde vergiftet und getötet. Anschließend raubte der Täter das Opfer aus.

Warschauer Straße, Friedrichshain: versuchter Mord[Bearbeiten]

Etwa eine Stunde nach dem Mord an Nicky M. suchte der Täter nach einem weiteren Opfer. Am S-Bahnhof Warschauer Straße in Friedrichshain bat der Täter einem Mann einen mit vier Gramm Liquid Ecstasy versetzten Klopfer an. Das ahnungslose Opfer trank arglos daraus und brach wenig später in einer Seitenstraße in Friedrichshain, in die der Täter das Opfer begleitete, bewusstlos zusammen. Daraufhin stahl der Täter Bargeld und Kreditkarte und ließ den Mann im komatösen Zustand zurück. Eine Passantin entdeckte das Opfer und alarmierte einen Notarzt. Das Opfer überlebte die Vergiftung.[8]

Weserstraße, Friedrichshain: Mord an Peter M.[Bearbeiten]

Atemstillstand aufgrund einer Überdosis Liquid Ecstasy war auch die Todesursache bei dem 41-jährigen Peter M. Ein chemisch-toxikologisches Gutachten der Berliner Gerichtsmedizin hatte den Verdacht erhärtet. Der gebürtige Lausitzer wurde am 16. Mai 2012 leblos in seiner Wohnung in der Weserstraße in Friedrichshain aufgefunden. Das Vorgehen bei diesem Mord war identisch zur ersten Tat des Serienmörders: er vergiftete das Opfer mit einem Mix aus einer Überdosis Liquid Ecstasy und Alkohol und beraubte das arglose Opfer anschließend. In der Vernehmung des Täters bestritt dieser zunächst den Mord an Peter M., räumte aber ein, das Opfer gekannt zu haben. Wenig später im Laufe der Vernehmungen gestand der Täter auch diesen heimtückischen Mord.

Chronologische Übersicht der Taten[Bearbeiten]

Datum Tatort Straftat Bemerkung
 Apr. 2012 Berlin-Friedrichshain, Holzmarktstraße Mord Leichnam von Alexander M. wurde am 27. April 2012 entdeckt
 Mai 2012 Berlin-Friedrichshain, Boxhagener Straße Mord Leichnam von Nicky M. wurde am 5. Mai 2012 entdeckt
 Mai 2012 Berlin-Friedrichshain, Warschauer Straße versuchter Mord Opfer konnte im Krankenhaus gerettet werden
 Mai 2012 Berlin-Friedrichshain, Weserstraße Mord Leichnam von Peter M. wurde am 16. Mai 2012 entdeckt

Ermittlungen[Bearbeiten]

Die 3. Mordkommission des Landeskriminalamtes Berlin ging einen Tag nach dem Darkroom-Mord an die Öffentlichkeit in der Hoffnung auf Hinweise aus der Bevölkerung. Dank der vorhandenen Erinnerungen des überlebenden Opfers konnten zahlreiche Hinweise zum Täter zusammengefasst werden.

Fahndung[Bearbeiten]

Es gelang der Kriminalpolizei, Aufnahmen der Überwachungskameras des Berliner Ostbahnhofs zu sichern, auf welchen der Täter zu sehen war. Mit diesen Aufnahmen wandte sich die Kripo am 22. Mai 2012 ein weiteres Mal an die Presse.[9] Bilder aus einer Überwachungskamera vom Ostbahnhof führten die Ermittler schließlich auf die Spur des Täters. Er hatte am 5. Mai 2012, unmittelbar nach dem Mord im Darkroom, versucht, mit der EC-Karte des Opfers ein Zugticket nach Saarbrücken zu kaufen. Als dies misslang, suchte sich der Darkroom-Mörder an der Warschauer Straße ein weiteres Opfer.[10]

Täterbeschreibung[Bearbeiten]

Laut Zeugenaussagen und den gesicherten Kameraaufnahmen sollte es sich bei dem Täter um einen 1,70–1,75 Meter großen, akzentfrei sprechenden Deutschen handeln. Der Mann wurde mit einer kräftigen Statur beschrieben und sollte zwischen 25 und 40 Jahren alt sein. Zudem wurde er als kommunikativ bezeichnet. Anhand der Videoaufnahmen konnten zudem Aussagen zu den Kleidungsstücken gemacht werden, welche vom Täter am 5. Mai 2012 getragen wurden.[11]

Festnahme[Bearbeiten]

In den Abendstunden des 26. Mai 2012, also nur wenige Tage nach der öffentlichen Fahndung vom 22. Mai 2012, konnte der mutmaßliche Darkroom-Mörder in seiner Wohnung in der Grünberger Straße in Friedrichshain, welche sich nur wenige Meter vom Tatort Boxhagener Straße befindet, gefasst werden. Gegen ihn ist am darauffolgenden Tag Haftbefehl erlassen worden.[12] Die Ermittler werfen ihm vor, seine Taten heimtückisch und aus Habgier begangen zu haben.[13] Er gilt als dringender Tatverdächtiger in der Berliner Liquid Ecstasy-Mordserie und befindet sich seit dem 27. Mai 2012 in Untersuchungshaft. Hinweise von Zeugen hätten schließlich zu dem 37-Jährigen geführt, der dann anhand der Bilder eindeutig als Täter identifiziert werden konnte. Erst im Februar 2012 war der gebürtige Saarländer an einer Grundschule in Falkensee eingestellt worden. Am 30. Mai 2012 wurde der angehende Lehrer vom Dienst suspendiert. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Potsdam soll er schnellstmöglich entlassen werden.[14]

Geständnis und weitere Ermittlungen[Bearbeiten]

Laut Auskunft des Sprechers der Staatsanwaltschaft habe der Mann die drei Morde sowie den Mordversuch „im Wesentlichen“ gestanden.[15] Ob der 37-Jährige für weitere Taten verantwortlich sein könnte, ist Gegenstand weiterer Ermittlungen der 3. Mordkommission des Landeskriminalamtes Berlin.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Berlin: Mordermittlungen in schwuler Cruising-Bar queer.de, abgerufen am 6. Mai 2012.
  2. vgl. siegessäule - queer Berlin - Mordfall Nicky Miler: Geständnis und ein weiterer Mord siegessaeule.de, abgerufen am 27. Mai 2012.
  3. vgl. o.V.: Habgier ließ den Koma-Killer weitermorden, in: Berliner Zeitung vom 30. Mai 2012, S. 9.
  4. vgl. Dirk P.: Die Opfer des Berliner Serienkillers bild.de, abgerufen am 29. Mai 2012.
  5. vgl. Ecstasymorde - weiteres Tötungsdelikt aufgeklärt berlin.de, abgerufen am 29. Mai 2012.
  6. vgl. Morde mit Ecstasy: Drei Männer tot, Verdächtiger in Haft stern.de, abgerufen am 29. Mai 2012.
  7. vgl. Berlin-Friedrichshain: Verdächtiger im Darkroom-Fall soll weiteren Mord begangen haben tagesspiegel.de, abgerufen am 27. Mai 2012.
  8. vgl. o.V.: Eine Stunde nach seinem 2. Mord suchte er sich sein nächstes Opfer, in: Berliner Zeitung vom 29. Mai 2012, S. 7.
  9. vgl. Berlin-Friedrichshain: Verdächtiger im Darkroom-Fall soll weiteren Mord begangen haben bild.de, abgerufen am 22. Mai 2012.
  10. vgl. Dirk P.: Darkroom-Killer tötete drittes Opfer bz-berlin.de, abgerufen am 29. Mai 2012.
  11. vgl. Tod in Bar - Berliner Polizei hat Verdächtigen im Visir morgenpost.de, abgerufen am 22. Mai 2012.
  12. vgl. Mordfall Miller offenbar aufgeklärt rbb-online.de, abgerufen am 27. Mai 2012.
  13. vgl. Mord im Darkroom in Berlin vermutlich aufgeklärt spiegel.de, abgerufen am 28. Mai 2012.
  14. vgl. Referendar ist der Darkroom-Mörder maerkischeallgemeine.de, abgerufen am 1. Juni 2012.
  15. vgl. Verbrechen: Weitere Opfer vom Darkroom-Mörder vermutet welt.de, abgerufen am 27. Mai 2012.


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