Dämmerung (Literatur)

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„Kampf der untergehenden Götter“, Friedrich Wilhelm Heine

Dämmerung wird außerhalb literarischer Bezüge als Übergang von Tag zu Nacht oder von Nacht zu Tag verstanden. In der Literaturwissenschaft wird der Begriff metaphorisch für den Untergang einer allgemein akzeptierten Überzeugung verwendet. Mit dem Nierdergang dieser Überzeugung wird der Anbruch einer neuen Epoche erwartet [1].

Komposita mit Dämmerung bedeuten ebenfalls den Niedergang eines Konzeptes mit der Erwartung einer neuen Epoche. Bekannt ist der Begriff durch Wagners Oper Götterdämmerung geworden. Auch die expressionistische Sammlung lyrischer Texte mit dem Titel Menschheitsdämmerung hat einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.

In den letzten Jahren des 20. und den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts ist der Begriff der Männer-Dämmerung durch eine Reihe publizistischer und wissenschaftlicher Arbeiten verbreitet worden [2]. Es liegt die Vorstellung zugrunde, dass ein traditioneller Begriff des Mannes untergehe und eine neue Zeit des Mannes damit eingeleitet werde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Götterdämmerung[Bearbeiten]

Gemäß altisländischer Sage werden die Götter alter Zeiten untergehen und ein neues Zeitalter ohne Furcht und in allgemeiner Seligkeit anbrechen (vgl. die sogenannte Götterdämmerung Ragnarök). Richard Wagner hat diese frühmittelalterlichen Quellen umgedeutet und in ein musikalisches Erlebnis romantischen Entzückens überführt. Nietzsches Postulat vom Tode Gottes bereitet den Nihilismus des 20. Jahrhunderts vor und ist durch den Einfluss ostasiatischer Lehren (Buddhismus, Hinduismus) begleitet (z.B. Zaratustra). Hesses Siddhartha und Glasperlenspiel sind herausragende Zeugnisse der Götterdämmerung im 20. Jahrhundert.

Frauen-Dämmerung[Bearbeiten]

 
Martin Schongauer, Maria im Rosenhag, Tempera auf Holz, gemalt 1473, Colmar, Dominikanerkirche

Die Lyrik des Mittelalters war zunächst auf den Lobpreis Mariens konzentriert [3]. Es folgte die Zeit der hohen Minnelyrik. Der höfische Sänger schilderte seine Verehrung für eine hochgestellte Dame (Herrin). Mit den Mädchenliedern Walthers von der Vogelweide trat anstelle der "frouwe" die "magit" (oft mit Mädchen übersetzt). Auch die Verehrung der Ehefrau ("wip") gehört in diesen Trend des hohen und späten Mittelalters [4].

Ritterdämmerung[Bearbeiten]

 
Don Quijote und Sancho Panza. Bronzefiguren am Denkmal für Cervantes (Hintergrund) in Madrid.

Das männliche Pendant der Frauen-Dämmerung wird als Ritterdämmerung bezeichnet [5]. Der Don Quijote des Miguel de Cervantes gilt als Protagonist dieser Dämmerung der großen ritterlichen Ideale. Ihm folgen Hunderte von Ritterromanen - oftmals trivialen Niveaus [6]. Im deutschen Sprachraum gilt Grimmelshausens Simplizissimus als Held der Ritterdämmerung. Es folgt Goethes Götz von Berlechingen und eine Menge Ritter-Geschichten wie beispielsweise Wächters Männerschwur und Weibertreue [7] und Schlenkerts Friedrich mit der gebissenen Wange [8].

Menschheitsdämmerung[Bearbeiten]

Die wichtigste Sammlung expressionistischer Lyrik deutscher Sprache Menschheitsdämmerung wurde 1920 von Kurt Pinthus herausgegeben [9]. In 4 Kapiteln wird Lyrik von Heym, Benn, Trakl, Werfel, Zech, Johannes R. Becher etc. thematisch angeordnet:

Sturz und Schrei
Erweckung des Herzens
Aufruhr und Empörung
Liebe den Menschen.

Es wird die Tendenz belegt, anstelle einer Zuwendung zum "Menschlichen" eine von Technik und Grauen beherrschte Welt zu erleben.

Wahrheitsdämmerung[Bearbeiten]

Die literarische Justiz-Kritik beginnt schon mit dem 13. Kapitel des Propheten Daniel [10]. Platons Apologie des Sokrates ist ein weiteres Beispiel antiker Justizkritik. Die Falschjustiz an Jesus Christus ist ein durchgängiges Thema aller Evangelien. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert sind zahlreiche Darstellungen von Inquisition und sogenannten Gottesurteilen bekannt (beispielsweise das Tristanepos Gottfrieds von Straßburg und die Falschjustiz an Götz von Berlechingen etc.) Die Romantik bringt u.a. die tragikomische Justizkritik hervor (Kleists Der zerbrochne Krug).

Jedoch wird in den Jahrhunderten vor 1900 die Justiz nicht als solche der Wahrheitsdämmerung bezichtigt. Erst mit den Romanen Franz Kafkas beginnt die Kritik der Justiz als grundsätzlich fehlgeleitet. Kafkas Der Prozess (1925) stellt die Suche nach dem Recht in den Institutionen der Justiz als von vornherein aussichtslos dar. Es folgen Dürrenmatts Der Richter und sein Henker und Rolf Hochhuts Juristen (1979). Abaelards Wahrheitsdämmerung [11] bringt diese Reihe justizkritischer Romane auf den Begriff: Es finde eine Orientierung der Justiz außerhalb der Ansprüche von Wahrheits- und Rechtsfindung statt. Damit sei der Niedergang des Konzeptes von Wahrheit und Gerechtigkeit besiegelt. Was bleibt, ist eine Art von Legitimation durch Verfahren.

Männerdämmerung[Bearbeiten]

 
August Siegfried von Goué, Scherenschnitt

Schon seit mehr als 2000 Jahren wurde der Mann literarisch verlacht. Aristophanes verlachte den von seiner Ehefrau geknechteten Philosophen Sokrates (Die Wolken). Auch Amphitryon wird literarisch verlacht, weil seine Zwillingssöhne Herakles und Iphikles nicht von ihm selbst, sondern von Zeus gezeugt worden seien. Die literarische Verlachung des Mannes erstreckt sich über die Narrenspiegel (Brant: Narrenschiff, Bote: Till Eulenspiegel, Friedrich von Schönbergs Schildbürger) bis zu den Molièrsschen Komödien vom Geizige(n), Misanthrop(en), Eingebildeten Kranke(n).

In der sogenannten Goethezeit ereignet sich eine zweite Phase der Männerdämmerung. Es bilden sich Männervereine, deren Ziel die Pflege der Kunst und der Freundschaft ist.

Halberstädter Dichterkreis[Bearbeiten]

Der Halberstädter Dichterkreis wurde um 1770 von J.W.L. Gleim begründet (Hanselmann 1989). Zu ihm gehörten unter anderem Johann Georg Jacobi – der seinerseits den Oberrheinischen Dichterkreis gründete – Johann Lorenz Benzler, Gottlob Nathanael Fischer, Leopold Friedrich Günther von Goeckingk, Wilhelm Heinse, Johann Benjamin Michaelis, Franz Alexander von Kleist und Klamer Eberhard Karl Schmidt, Friedrich Hoffmann.

Im Gegensatz zu den später entstehenden Ritter-Tafelrunden wurde in Halberstadt noch die sogenannte Anakreontik gepflegt. Man kleidete sich als Schäfer und verehrte das Landleben. Diese Schäfer-Anakreontik wurde im späteren 18. Jahrhundert von den Ritterkreisen abgelöst [12] .

Wetzlarer Tafelrunde[Bearbeiten]

August Siegfried von Goué war im Jahre 1771 nach Wetzlar gekommen, um - wie Goethe drei Jahre danach - ein Praktikum am Reichskammergericht zu absolvieren. Er begründete einen Männerverein, der sich Rittertafel nannte.

Goethe schildert im 12. Buch seines autobiographischen Romans Dichtung und Wahrheit seine Wetzlarer Rittertafel: "Sie stellten nämlich, mit Geist und Munterkeit, eine Rittertafel vor. Obenan saß der Heermeister, zur Seite desselben der Kanzler, sodann die wichtigsten Staatsbeamten; nun folgten die Ritter, nach ihrer Anciennität; Fremde hingegen, die zusprachen, mussten mit den untersten Plätzen Vorlieb nehmen, und für sie war das Gespräch meist unverständlich, weil sich in ihrer Gesellschaft die Sprache, außer den Ritterausdrücken, noch mit manchen Anspielungen bereichert hatte." (Vgl. Goethe 1998)

Ähnliche Männerbünde für Künstler mit romantischem Ritterspiel sind:

Göttinger Hain[Bearbeiten]

 
Ludwig Christoph Heinrich Hölty als Porträtmedaillon am Neuen Rathaus Hannover

Es handelt sich um eine Gesellschaft von Schriftstellern, die es ablehnten, weiterhin im Geiste Winckelmanns griechische Kunst zu verehren. Statt dessen wollte man das deutsche Altertum pflegen: Minnesang, höfische Epik, Sage, Volkslied etc. Berühmte Mitglieder dieses 1772 begründeten Bundes waren Ludwig Hölty, Johann Anton Leisewitz, Johann Heinrich Voß u.a.[13].

Ritterschaft von der blauen Erde zu Wildenstein[Bearbeiten]

Die Ritterschaft von der blauen Erde zu Wildenstein wurde 1790 von Anton David Steiger begründet. Hauptsitz des Bundes wurde Burg Seebenstein in Niederösterreich. Den Namen übernahm der Ritterbund von dem in der Gegend ansässigen Geschlecht der Wildensteiner.

Die Mitglieder, zu denen unter anderen Erzherzog Johann und Carl August von Weimar gehörten, gaben sich selbst Titel aus der Ritterzeit und sprachen sich gegenseitig als Ritter an. Es fanden Ritterspiele statt, die ihnen selbst - wie den Zeitgenossen - lächerlich erschienen. Die Ritterschaft wurde vom damaligen Kaiser Franz II. geschätzt. So wurde Steiger geadelt und durfte sich Edler von Amstein nennen.

Da man am Kaiserhof Geheimbündelei befürchtete, musste der Ritterbund im Jahr 1823 wieder aufgelöst werden. Man nimmt an, dass sich die Mitglieder weiterhin trafen, da sich insgesamt die Anzahl ähnlicher Ritterbünde erhöhte.

Schwäbischer Dichterkreis[Bearbeiten]

Der Schwäbische Dichterkreis war ein Zusammenschluss von Dichtern, der sich 1805–1808 an der Universität Tübingen um Justinus Kerner und Ludwig Uhland gebildet hatte.

Man rechnet zu ihm Karl Heinrich Gotthilf von Köstlin, Eduard Mörike, Gustav Schwab, Karl August Varnhagen von Ense und Wilhelm Hauff. Von den Personen ergeben sich Überschneidungen mit dem Seracher Dichterkreis, dem auch Nikolaus Lenau, Graf Alexander von Württemberg und Hermann Kurz angehörten, der sich aber später zusammenfand.

 
Heinrich Heine (Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim, 1831)

Literarische Berühmtheit erlangte diese Gruppe, die so einheitlich nicht war, durch Heinrich Heines Angriffe auf sie in seinem Schwabenspiegel. Er warf den Mitgliedern vor, dass die bedeutenden Schwaben der deutschen Literaturgeschichte sich von diesem Kreis unpolitischer und friedliebend-zurückgezogener Persönlichkeiten deutlich unterschieden. Heine vermisste die revolutionäre Einstellung eines Friedrich Schiller und die philosophische Größe eines Friedrich Hegel. Statt dessen antike und mittelalterliche Sagen zu erzählen (wie Gustav Schwab) oder Märchen zu sammeln (wie Wilhelm Hauff), schien ihm unergiebig und verachtenswert. Heine kritisiert das literarische Biedermeyer und vertritt das politische Engagement des Jungen Deutschland [14].

Jedoch ist es gerade das, was diese Männervereine erklärtermaßen wollen: in Freundschaft der alten Kulturen gedenken und mit Humor die Künste pflegen. Man entgeht der Polizei der Fürsten, indem man eine Art des inneren Rückzuges verübt. Die Männer vermeiden heroisches Aufbegehren und ziehen sich zurück ins Reich des schönen Scheins: "Was aber schön ist, selig scheint es in sich selbst" (Möricke).

Bund der Krokodile[Bearbeiten]

Geibel, Riehl und Heyse eröffneten zunächst einen literarischen Salon. Dieser wurde 1854 die Keimzelle des Dichtervereins Die Krokodile. Der Name geht auf den Helden eines Gedichts von Hermann Lingg zurück, wie Heyse in seiner Autobiografie erklärte:

"Der erhabene Charakter dieses Amphibiums schien uns trefflich zum Vorbild idealistischer Poeten zu taugen, und wir hofften, in unserem Münchener ´heiligen Teich´ dermaleinst ebenso gegen die schnöde prosaische Welt gepanzert zu sein, wie jener uralte Weise, der nur noch für den Wechsel der Temperatur empfindlich war." [15])

In diesem Männerbund wurden an Freimaurerlogen erinnernde Sitten befolgt. Mit Weinlaubkränzen im Haar scherzten die Dichter viel und benutzten eine verschlüsselte, nur Eingeweihten verständliche Klubsprache. Vorträge und Diskussionen wurden als weihevolle Momente behandelt. Die Protokolle wurden, wenigstens zum Teil, in einer Geheimschrift verfasst.

In dieser hemdsärmeligen Ausgelassenheit entwickelten die Beteiligten einen besonderen Ehrgeiz, wenn es darum ging, das ausgestopfte Krokodil hereintragen zu dürfen oder die Papppyramide, in der das Vereinsbuch aufbewahrt wurde, zu verwalten. Die Krokodile schätzten die komplizierteren lyrischen Formen und suchten sich ohne die damals häufig anzutreffenden nationalen Vorbehalte poetische Vorbilder in der Antike und in den romanischen Literaturen.

Auch Theodor Fontane kam 1859 nach München, um die Möglichkeiten einer Anstellung zu prüfen. Er gab bei seinem Besuch zu, bei den Krokodilen einen höchst anregenden Kreis gefunden zu haben.

Der Lyriker Emanuel Geibel genoss zunächst das höchste Ansehen. Mit dem Weggang Geibels 1868 wurde Paul Heyse zum Kopf der Krokodile. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ging jedoch unter seiner Leitung schnell verloren. Die Gruppe fiel in den Jahren 1878 bis 1882 auseinander.

Tunnel über der Spree[Bearbeiten]

Der Tunnel über der Spree war eine literarische Gesellschaft. Sie wurde unter der Bezeichnung „Sonntags-Verein zu Berlin“ am 3. Dezember 1827 gegründet und hat bis 1898 bestanden. Moritz Gottlieb Saphir beherbergte den Verein zunächst in seiner Privatwohnung. Die Mitglieder sagten nicht „die“, sondern „Der Sonntagsgesellschaft“, um nicht mit der Hofschauspielerin Henriette Sontag in Verbindung gebracht zu werden. Als Motto wählte man den Spruch Ungeheure Ironie und unendliche Wehmut. Till Eulenspiegel erkor man zum Schutzpatron.

Mit der Bezeichnung „Tunnel über der Spree“ wollte man darauf hinweisen, dass Berlin noch keinen Tunnel unter der Spree vorzuweisen hatte. Nach einem Zitat Theodor Fontanes wollte Saphir mit dieser Gründung nur eine persönliche „Leibgarde“ um sich scharen. Ein weiteres Mitglied, Emanuel Geibel, bezeichnete diese Gesellschaft als „Kleindichterbewahranstalt“.

Das letzte Sitzungsprotokoll stammt vom 30. Oktober 1898. 1911 ging der gesamte Vereinsnachlass an die Humboldt-Universität in Berlin. Er wird seitdem von der Universitätsbibliothek verwaltet und ausgewertet.

Die Wiener Ritter- und Dichterbünde[Bearbeiten]

Während der Sechziger und Siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts entstanden in Wien eine ganze Reihe von Männerbünden, die sich humorvoll als Ritter gerierten und die Pflege der Künste zum Ziel hatten. Schon die Namen verraten die Selbst-Verlachung:

Ludlamshöhlen[Bearbeiten]
 
Ignaz Franz Castelli, Lithographie von Joseph Kriehuber, 1835

Die Ludlamshöhle war ein literarischer Männerbund, den der österreichische Dramatiker Ignaz Franz Castelli zusammen mit August von Gymnich 1819 in Wien gegründet hatte. Er bestand bis zum 18. April 1826.

Der Name dieser Künstlervereinigung bezieht sich auf das Theaterstück „Ludlam's Höhle“ von Adam Oehlenschläger. Nach der Uraufführung am 15. Dezember 1817 traf sich eine Gruppe von Männern in „Haidvogels Gasthaus“ (Schlossergäßchen, Wien), um über die Aufführung zu diskutieren. Da das Theaterstück an diesem Abend beim Publikum durchgefallen war, schlug Castelli vor, als Trost für den dänischen Schriftsteller der Gruppe den Namen „Ludlamshöhle“ zu verleihen. Das Nebenzimmer in „Haidvogels Gasthaus“, in dem das tägliche Treffen am Stammtisch stattfand, wurde zum Vereinslokal erklärt.

Die Ludlamshöhle verfolgte keine politischen oder künstlerischen Ziele; der allabendliche Stammtisch diente ausnahmslos dem geselligen Zusammensein. Die Ludlamshöhle gilt als ein Paradebeispiel biedermeierlicher Geselligkeit.

In der Nacht vom 18. auf den 19. April 1826 wurde diese Gesellschaft (wohl nicht gerechtfertigt) der „Staatsgefährdung“ verdächtigt und verboten. Auf Anordnung des Wiener Polizeioberdirektors Alois von Persa besetzten über 30 Polizisten den Gasthof, verhafteten die Anwesenden und beschlagnahmten sämtliche gefundenen Manuskripte. Bis in die Morgenstunden wurden daneben auch die Privatwohnungen der verhafteten „Ludlamiten“ durchsucht. Einige ihrer Mitglieder hatten noch Jahre unter Bespitzelung und anderen Schikanen zu leiden. Gerade diese überzogene Aktion der Obrigkeit verursachtete in den folgenden Jahren für die Mythisierung der Gruppe und ihrer Mitglieder.

Nach 1848 wurde der Versuch unternommen, die Ludlamshöhle wieder zu beleben, die Wiedereröffnung misslang.

1949 schlossen sich in Wien die Schriftsteller Franz Karl Franchy, Egon Hajek, Theodor Heinrich Mayer, Friedrich Schreyvogel und Karl Wache zu einer Gesellschaft zusammen, welche ebenfalls den Namen „Ludlamshöhle“ trug und bis 1972 Bestand hatte [16]).

Ritterlicher Humpenbund[Bearbeiten]

Am 11. Mai 1873 begründeten Joseph Mauczka (Josephus von Thury) und sein Bruder Eduard und Wilhelm von der Als den „Allzeit hohen Ritterorden derer zum Grünen Humpen“. Wilhelm von der Als war bereits Mitglied zweier bestehender Ritterorden: Grüne Insel und Güldener Humpen.

Die zu der Zeit bestehenden 24 Verbände dieser Art fanden sichm Oktober 1884 auf dem 1. Reichstag der Ritterschaften zusammen und gründeten die „Vereinigung Österreichischer und Bayrischer Ritterschaften“. Im Laufe der Jahre entwickelten sich der „Österreichische Ritterbund“ und der „Deutsche Ritterbund“.

Seit dem 11. Januar 1985 amtiert Rüdiger von Schönfeld (Ernst Biernecker) als Großmeister des Bundes, der heute rund 40 Männer und Frauen zählt. Ihr Ziel ist die Pflege der mittelalterlichen Ideale, der Musik und der Dichtkunst.

Ritterbund Rosengarten zue Lintz (1875)[Bearbeiten]

Adam Müller-Guttenbrunn (ritterlich: Siegfried v. Minnesang), Dichter und Kulturpolitiker, Ehrenbürger von Wien, geb. 23.10.1852, gest. 5.1.1923, begründete am 23.10.1875 den Ritterbund Rosengarten zue Lintz. Zunächst sippte man als Tafelrunde und verfolgte das Ziel, durch Lesen und Diskutieren dramatischer Werke gleichzeitig sich selbst geistig zu bilden und auch den Sinn für Freundschaft und Geselligkeit zu pflegen.

Man wollte die Nachahmung mittelalterlich-ritterlicher Sitten und Gebräuche und bezeichnete sich als Tafelrunde der Kuerenberger Ritter. Ab 15.1.1876 wurde der Name abgeändert: Der Rosengarten erhielt offiziell eingereichte Vereinsstatuten bei der K.K. Statthalterei.

Der erste Großmeister war Giselher von Kaiserstrew. Somit trat der Verein in die Reihe der schon bestehenden österreichischen und deutschen Bündnisse. Vom Oktober 1891 bis Juli 1920 gab sich das Bündnis den Namen Die Eulenburger.

Nach dem ersten Weltkrieg vereinigten sich Die Eulenburger mit dem Orden der Gralsritter, der 1905 in Anlehnung an die Statuten der Eulenburg gegründet worden war. Ab dem 20. Juli 1920 griff man wieder auf den Ursprungsnamen des Bundes zurück und benannte sich Der Rosengarten zue Lintz.

Nach Auflösung 1941 eröffnete man den Bund 1953 erneut. Der erste Großmeister war Guntram von Hohenesp. Man schuf sich in den Maximilianischen Befestigungsanlagen von Linz, am Pöstlingberg, eine Behausung. Seit 1957 wird durch den Innenausbau des Turmes ein kulturelles Denkmal der Stadt Linz versorgt.

All diesen Bünden ist gemeinsam, dass künstlerisch engagierte, wohlsituierte Herren des reiferen Alters sich zusammenfanden, um in einer humorvollen Weise Ritterspiele zu treiben und dabei die Künste zu pflegen [17].

Deutscher Ritterbund und seine Verwandten[Bearbeiten]

Der Deutsche Ritterbund datiert sich wie der Österreichische zurück auf 1790, als Heinz am Stein die Wildensteiner Ritterschaft begründete. 1823 erfolgte das Verbot wegen Verdachts auf Geheimbündelei, und 1856 wurde der Bund unter dem neuen Namen Schwemmer erneut eröffnet. 1884 trafen sich in Salzburg 32 Ritterbünde, die die Gründung eines Deutschen Ritterbundes beschlossen. 1903-06 gestaltete sich diese nach wie vor nicht perfekte Organisation zum "Bund Deutscher Ritterschaften", bis1920 der "Deutsche Ritterbund" seinen bis ins 21. Jahrhundert endgültigen Namen erhielt. 1934 musste der Bund aufgrund Verfügung der NSDAP aufgelöst werden. Nach Ende des 2. Weltkrieges erfolgte Neueröffnung 1950. 2006 feierte man den 43. Deutschen Rittertag.

Schlaraffia[Bearbeiten]
 
Franz Thomé, Gründer der „Schlaraffia”

Der bei weiterm größte in dieser Tradition der Kunst und Humor gewidmeten Männerbünde sollte der Prager Bund Schlaraffia werden. Die Gründung des Bundes erfolgte am 10. Oktober 1859 in Prag. Der Direktor des Deutschen Theaters hatte eine Anzahl von 24 Künstlern und Sympathisanten zusammengerufen, um einen Verein zu begründen, der sich in Zielsetzung und Stil von der Prager Vereinigung Arcadia unterschied. Man erklärte sich als Proletarier, da die Mitglieder (heute Urschlaraffen genannt) nicht von adeligem Stande waren.

Nach einigen Jahren ausschließlich Prager Schlaraffen-Sippungen wurden einige Mitglieder in andere Städte berufen und begründeten in ihren neuen Wohnorten ähnliche Vereinigungen (z.B. Berlin, Leipzig, Graz, Breslau usw.). Auf einem ersten Konzil in Leipzig (1871) schloss man die verschiedenen Schlaraffen-Reyche zu einem internationalen Bund unter der Leitung der Allmutter Praga zusammen und bestimmte, dass neue Reyche, wo immer sie auf dem Erdball begründet würden, der Sanktion durch den Dachverband bedürften. Alle Reyche wurden in einer sogenannten Stammrolle verzeichnet. Die Lieder wurden gesammelt herausgegeben und mit anspruchsvollen Klaviersätzen versehen. Man begründete eine Zeitschrift mit dem Namen Derer Schlaraffen Zeytung. Bis zum Jahre 1938 entstanden weltweit etwa 300 Reyche.

Da die Leitung der Allmutter Praga zukam und weltweit ohne jegliche Beschränkung jüdische Teilnehmer verzeichnet waren, wurde der Männerbund 1938 durch das Regime des Nationalsozialismus verboten. Alle Reyche in Deutschland, Österreich und den tschechischen Ländern wurden geschlossen (sogenannte Uhufinsternis) [18]. Einige wichtige Dokumente zur Geschichte des Bundes konnten ins Archiv des Schlaraffenreyches von Bern (Schweiz) überführt werden.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden unter Mithilfe Nordamerikanischer "Reyche" die deutschen und die österreichischen Schlaraffenbünde größtenteils neu eröffnet. Das Prager Mutterreich blieb geschlossen. Aber viele neue Colonien wurden nach und nach sanctioniert, so dass der Weltbund 2011 480 Vereine umfasst. (In diese Zählung sind allerdings die erloschenen Reyche inbegriffen, die nach der "Uhufinsternis" nicht wieder eröffnet worden sind.)

Die Niederländter[Bearbeiten]

Die Niederländter, begründet 1868 durch Ludwig von Nagel in Bayreuth schreiben:

"Sie malen, dichten, musizieren weil Sie Spaß daran haben? Sie suchen Geselligkeit, Unterhaltung, Freundschaft im Kreise von Gleichgesinnten? Dann sollten Sie uns kennenlernen:

Die Niederländter

Unser Motto: Froh’ Gemüt, geschickte Hand! Wir lieben Humor aber nicht >Alaaf< und >Helau<. Selbst gemacht ist uns wichtiger als Perfektion. Wir pflegen Geselligkeit ohne Titel und Würden. Wir sind am Puls der Zeit, doch Politik und Religion sind tabu." (vgl: http://www.niederlandt.de/index.html)

Die wesentlichen Merkmale der ritterlichen Männerbünde sind:

- Man findet sich zusammen, um in humorvoller Auseinandersetzung mit der Geschichte des Mannes- und Ritterwesens zu einer höheren Orientierung zu gelangen.

- Zielsetzung der Freundschaft, der Kunst und des Humors

- Zusammenkünfte in eigenen Stammlokalen, die als Burgen bezeichnet werden

- Zeremonielle, die durch ritterliche Verkleidung und Sprache gekennzeichnet sind

- Vereins-interne Ständeordnung: Knappen, Junker, Ritter

- Verpflichtung, Vorträge zu halten, in denen Kunst gepflegt und Humor angewandt wird

- Tendenz zur Bewahrung der vereinsinternen Traditionen

- Nostalgie als Ausdruck einer Neuzeit, die sich ihrer Geschichte besonders bewusst wird.

Fazit[Bearbeiten]

Die Dämmerung der Literaturgeschichte beginnt mit der Götter- und Frauendämmerung. Die Ritterdämmerung stellt die erste Phase der Männerdämmerung dar: man verlacht den Mann als Träger bestimmter Männlichkeitsklischees. Es folgt die Hermetik der Männerbünde mit den Zielen besonderer Pflege der Kunst und der Freundschaft. Viele dieser Männerbünde spielen gemeinsames Tafeln in einer Art von Rittersaal.

Mit der Gründung Schlaraffias 1859 beginnt die Phase der Selbst-Verlachung. Man spiegelt sich in der Gewandung und in den Waffen der Ritterschaft, spricht eine antiquierte Sprache und verdient sich ritterliche Orden und Auszeichnungen. Mit der Pflege des Andenkens an die Gründungsmitglieder Schlaraffias beginnt der Epigonalismus der Männerdämmerung. Schließlich resultiert Nostalgie als gedankenvolle Erinnerung an die gute alte Zeit des Männerbundes.

Literatur[Bearbeiten]

- Abaelard, Wolfgang: Die Wahrheitsdämmerung. Nürnberg 1999.

- Anrich, G.: Räuber, Bürger, Edelmann. 1975

- Belke, Horst: Ludlamshöhle [Wien]. In: Wulf Wülfing, Karin Bruns, Rolf Parr (Hrsg.): Handbuch literarisch-kultureller Vereine, Gruppen und Bünde 1825–1933. Metzler, Stuttgart, Weimar 1998, S. 311-320 (Repertorien zur Deutschen Literaturgeschichte. Hrsg. Paul Raabe. Band 18).

- Boberski,Heiner; Peter Gnaiger, Martin Haidinger, Thomas Schaller, Robert Weichinger: Mächtig – Männlich – Mysteriös. Geheimbünde in Österreich. Salzburg: Ecowin Verlag 2005;

- Burkamp, Gisela (Hrsg.): Spuren des Don Quijote. Eine Sammlung von Malerei, Zeichnung und Grafik, Skulptur, Büchern und Exlibris vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Kerber, Bielefeld 2003.

- Fisher, Helen: Anatomie der Liebe. Warum Paare sich finden, sich binden und auseinandergehen. Verlag Groemer1993.

- Dies.: Die vier Typen der Liebe: Wer zu wem passt und warum. Droemer Knaur Verlag, 2009

- Gebhardt, Armin: Schwäbischer Dichterkreis. Uhland, Kerner, Schwab, Hauff, Mörike. Tectum, Marburg 2004

- Goethe, Johann W. von: Dichtung und Wahrheit. Stl. Werke hrsg. Trunz, Erich Band 9, S. 531 f. München 1998

- Graef, Hilda: Maria. Eine Geschichte der Lehre und Verehrung. Herder, Freiburg im Breisgau 1964.

- Große Nobis, Jan: Frieden! – Eine kurze Geschichte der bundesdeutschen Friedensbewegung, Münster 2001/2005

- Gruenter, Rainer/ Adam, Wolfgang (Hrsg): Tristan Studien. Heidelberg: Winter 1998

- Gumbrecht, H.U. (Hg): Epochenschwellen und Epochenstrukturen. 1985

- Haag, Herbert/Kirchberger, J.H./Sölle, Dorothee: Große Frauen der Bibel. Freiburg 1993

- Hanselmann,Beat: Johann Wilhelm Ludwig Gleim und seine Freundschaften oder Der Weg nach Arkadien. Bern 1989.

- Heinrich, Jutta: Männerdämmerung, Köln 1989

- Hermand, Jost: Die deutschen Dichterbünde. Von den Meistersingern bis zum PEN-Club. Köln etc. 1998.

- Herzog, R. (Hg): Epochenschwelle und Epochenbewusstsein. 1987

- Hochhuth, Rolf: Juristen 1979.

- Hollstein, Walter: Männerdämmerung, Göttingen : Vandenhoeck und Ruprecht 1999

- Heyse, Paul: Gesammelte Werke. Hrsg. Markus Bernauer Stuttgart 2011.

- Krause, Frank: Männerdämmerung. Gloryworld-Medien 2010.

- Metelmann, Ernst (Hg): Zur Geschichte des Göttinger Dichterbundes 1772-1774. Stuttgart 1965.

- Nieschlag, Eberhard; Hermann M. Behre, Susan Nieschlag: Andrologie: Grundlagen und Klinik der reproduktiven Gesundheit des Mannes. 3. Auflage. Springer, 2009,

- Pinthus, Kurt (Hg.): Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung. Rowohlt, Berlin 1920

- Sager, Peter: Wie weiter mit der Menschheit. Empirisch-soziologische Reflexionen über die Probleme der Gegenwart in demographischer und historischer Sicht. Mainz 2002

- Schlenkert, F.C.: Friedrich mit der gebissenen Wange. 1785

- Seyffert, Wilhelm: Lehrbuch der Genetik. 2. Auflage. Spektrum, Akademischer Verlag, Heidelberg 2003.

- Storz, Gerhard: Schwäbische Romantik. Dichter und Dichterkreise im alten Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart usw. 1967.

- Thomke, Hellmut: Schwäbischer Dichterkreis. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Hg. Werner Kohlschmidt und Wolfgang Mohr. Bd. III. Berlin 1977, S 678 ff

- Vehlow, Gero: Maria in der Musik. Verlag Dohr 1998.

- Wache, Karl: Ignaz Franz Castelli. Der Vater der Ludlamshöhle. In: Ders.: Jahrmarkt der Wiener Literatur. Wien 1966, S 7 ff.

- Wächter, L.: Männerschwur und Weibertreue. 1785

- Wiesemüller,Bernhard; Hartmut Rothe: Phylogenetische Systematik. Springer Verlag, 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herzog 1987, Gumbrecht 1985
  2. vgl. Heinrich 1991, Hollstein 1999, Krause 2010
  3. vgl. Graef 1964
  4. vgl. Vehlow 1998, Kap. XIII
  5. vgl. Gruenter 1998
  6. vgl. Anrich 1975
  7. Wächter 1785
  8. vgl. Schlenkert 1785
  9. vgl. Pinthus 1920
  10. vgl. Haag 1993, S. 234
  11. Vgl. Abaelard 1999
  12. vgl. Hermand 1998
  13. vgl. Metelmann 1965
  14. vgl. Gerhard 2004, Stortz 1967
  15. Heyse 2011
  16. vgl. Wache 1966, Belke 1998
  17. vgl. Boberski 2005
  18. vgl. Maas 2006

Weblinks[Bearbeiten]