Crimeic - Onlinebegleitung im Strafvollzug

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„crimeic - Onlinebegleitung im Strafvollzug“ ist ein studentisches Projekt von Peter Lutz Kalmbach und Tim Krenzel zur Überprüfung einer onlinegeführten Ehrenamtsarbeit mit Häftlingen im deutschen Strafvollzug.

crimeic - Onlinebegleitung im Strafvollzug
Crimeic.de.jpg Tim Krenzel & Peter Lutz Kalmbach

Gründung 2015
Leitung Peter Lutz Kalmbach und Tim Krenzel
Website www.crimeic.de

Inhaltsverzeichnis

Worterklärung[Bearbeiten]

„crimeic“ (crime, investigation, communication) ist ein Kunstwort, das sich auf die Grundbelange des Projekts bezieht: crime (engl.: Verbrechen) als Bezugspunkt zur Untersuchung - investigation – und communication (engl. Austausch), als zentrales Medium ehrenamtlicher Sozialarbeit.

Strafvollzug, Resozialisierung und Ehrenamt[Bearbeiten]

Der Vollzug von Freiheitsstrafe ist zweckgebunden und dient insbesondere dem Ziel, Gefangene zu resozialisieren, mithin derart auf sie einzuwirken, dass ein Leben ohne Straftaten möglich ist.[1] Eine wesentliche Komponente der Resozialisierung stellen soziale Bindungen dar, zu denen auch Kontakte gehören, die von Häftlingen zu Personen außerhalb des Vollzuges gepflegt werden. [2]Dabei nimmt die Beteiligung an Außenkontakten durch ehrenamtlich tätige Bürger einen herausgehobenen Stellenwert ein. [3]Zu den Formen der ehrenamtlichen sozialen Unterstützung Inhaftierter gehören beispielsweise die Betreuung von Einzelpersonen oder Gruppen sowie Briefkontakte. [4]

Strafvollzug und Internet[Bearbeiten]

Das Internet kann als technisches Medium von Inhaftierten kaum genutzt werden. Während es zwar beispielsweise - wie im Rahmen von Projekten mit jungen Inhaftierten - vereinzelt zur Darstellung des Häftlingsalltags benutzt wird[5], ist es in Deutschland bisher nur ausnahmsweise zur Aufrechterhaltung von Kontakten zwischen Häftlingen und Bürgern genutzt worden. Als Gründe für die bisherige Verwehrung eines stabilen und dauerhaften Internetgebrauchs werden seitens des Strafvollzuges v.a. Bedenken angeführt, eine derartige Kommunikation sei unkontrollierbar, anfällig für Missbrauch und daher eine Gefahrenquelle für die Sicherheit des Vollzuges. [6]

Projekt "crimeic"[Bearbeiten]

Das Pilotprojekt "crimeic" ist ein Lösungsansatz, der der Frage nachgeht, wie das Internet auch für Strafvollzugsgefangene nutzbar gemacht werden kann.[7]Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass eine ehrenamtliche Betreuung über das Internet neue Perspektiven eröffnet und als zeitgemäße Kommunikation auch im Strafvollzug nicht außen vor bleiben kann. Dabei ist davon auszugehen, dass ein stetiger dringender Bedarf an weiteren sozialen Angeboten in Justizvollzugsanstalten besteht. Dies nicht zuletzt, weil die Realitäten des Strafvollzuges dem Resozialisierungsziel wachsende Probleme entgegenstellen.[8] Neben der grundsätzlichen Erweiterung ehrenamtlicher Hilfe, gehört zu den Vorteilen der Etablierung einer Online-Begleitung die Gewinnung neuer ehrenamtlicher Kräfte, da ein Austausch über das Internet zeitsparend ist und keine Anreisen an den Vollzugsort erforderlich sind. Im Gegensatz zu einer regulären Brieffreundschaft fallen für Insassen keine Portogebühren an, die vom reglementierten Taschengeld bezahlt werden müssen. Außerdem erfolgt der Kontakt anonym.

Der Zugriff auf das E-Mail-Programm von "crimeic" erfolgt über Freischaltung der einzelnen notwendigen URL auf dem vom Häftling genutzten PC. Ein freier Gebrauch des Internets ist nicht möglich.

Der rein wissenschaftliche Anteil von "crimeic" ist die Überprüfung der praktischen Tauglichkeit einer Onlinebegleitung für Strafvollzugsgefangene in rechtlicher wie technischer Hinsicht. Ergänzt wird diese Fragestellung um die Erkenntnisgewinnung, welche Themen und Anliegen bei den Häftlingen im Vordergrund stehen. Dazu wählen die jeweiligen Begleiter bei jedem E-Mail-Kontakt aus einem Item-Katalog eine standardisierte Beschreibung aus (beispielsweise "Leben in Haft", "Zukunftsperspektiven", "Soziale Kontakte"). Nach Ende der dreimonatigen Projektphase werden abschließend anhand von Interviews mit Häftlingen und Begleitern die individuellen Erfahrungen evaluiert und ausgewertet.

Durchführung[Bearbeiten]

Seit dem 6. November 2015 läuft das Projekt: Die ersten Onlinebegleiter wurden aus Freiwilligen der Polizeiakademie Niedersachsen gewonnen. Sie üben den Austausch per Mail in ihrer freien Zeit als ehrenamtliches Engagement aus. Die begleiteten Häftlinge sind sämtlich in der JVA Wolfenbüttel inhaftiert, zu der unter anderem auch eine Gedenkstätte gehört.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Suhling/Neumann, in: Kriminalpädagogische Praxis 2015, S. 46-62, 47.
  2. Thiele, in: Kriminalpädagogische Praxis 2015, S. 72-85, 72.
  3. Kury in: Kury, 113-154, 114 f.
  4. Theißen, 149.
  5. Roy, in: Bewährungshilfe 2014, S. 50-55, 50 ff.
  6. Knauer, S. 4 ff.
  7. zum Folgenden www.crimeic.de
  8. Laubenthal, S. 77 f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Knauer, Florian, Strafvollzug und Internet. Rechtsprobleme der Nutzung elektronischer Kommunikationsmedien durch Strafgefangene, Berlin 2006.
  • Kury, Helmut, Die Einstellung der Bevölkerung zum Rechtsbrecher und Strafvollzug. In: Kury, Helmut. Strafvollzug und Öffentlichkeit, Freiburg 1980, S. 113-154.
  • Laubenthal, Klaus, Strafvollzug, 7. Aufl., Heidelberg 2015.
  • Roy, Inge, Podknast - Neue Medien im Strafvollzug. In: Bewährungshilfe 2014, 50-55.
  • Suhling, Stefan; Neumann, Nicole, Strafvollzug im Wandel? Positive Entwicklungen und Herausforderungen für Wissenschaft und Praxis. In: Kriminalpädagogische Praxis 2015, 46-62.
  • Theißen, Rolf, Ehrenamtliche Mitarbeit im Strafvollzug der Bundesrepublik Deutschland. Eine Untersuchung zu Umfang, Inhalt und Möglichkeiten gesellschaftlicher Mitwirkung am Strafvollzug, Bonn 1990.
  • Thiele, Christoph, Außenkontakte des Gefangenen in den Länderstrafvollzugsgesetzen. In: Kriminalpädagogische Praxis 2015, 72-85.

Weblinks[Bearbeiten]

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