Centre for Social Investment

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Centre for Social Investment (CSI, dt.: Centrum für soziale Investitionen und Innovationen) wurde 2006 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg mit dem Ziel gegründet, die Leistungsfähigkeit von Non-Profit-Organisationen und Stiftungen zu erhöhen und den Gemeinwohl- und Stiftungsgedanken zu fördern.


Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Da sich die Aufgaben und die Situation von Stiftungen und Nonprofit-Organisationen heute nicht mehr allein aus dem Blickwinkel einzelner Disziplinen heraus beschreiben und verstehen lassen, wurde das CSI als konsequent interdisziplinär ausgerichtet. Als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verbindet es seit der Gründung am 01. Juli 2006 die Perspektiven der Rechtswissenschaften (Gemeinnützigkeitsrecht, Stiftungsrecht), der Ökonomie (Management), der Sozialwissenschaft (Zivilgesellschaft) und der Theologie und Ethik (Normative Grundlagen). Möglich wird dies durch eine Kooperation mit der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen, der juristischen und der theologischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.


Organisation[Bearbeiten]

Die wissenschaftliche Leitung des CSI liegt bei Prof. Dr. Helmut K. Anheier, der bisher an der London School of Economics und der University of California Los Angeles forschte. Geschäftsführender Direktor ist Dr. Volker Then, der zuvor den Bereich Stiftungsentwicklung der Bertelsmann Stiftung aufbaute und leitete. Ein Kuratorium berät die Leitung des CSI in strategischen Fragen. Das Institut wird finanziert von der Robert Bosch Stiftung, der Fritz Thyssen Stiftung, der Deutsche Bank Stiftung, der gemeinnützigen Hertie Stiftung, der Manfred Lautenschläger Stiftung und der Universität Heidelberg. Eine Reihe weiterer Stiftungen und Partner fördern einzelne Forschungs- und Beratungsprojekte (u.a. Bertelsmann Stiftung, Gulbenkian, Cariplo, Rijksbanken Jubileumsfonds, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft).


Arbeitsfelder[Bearbeiten]

Forschung[Bearbeiten]

Die zentralen Forschungsthemen des CSI sind soziale Investition, Stiftungswesen, Zivilgesellschaft und Sozialwirtschaft. Es werden nationale und internationale Forschungsprojekte mit Betonung der europäischen Ebene durchgeführt.


Aktuelle Projekte
1. SIP - Strategies for Impact in Philanthropy Project
Für die Zukunft der Stiftungsarbeit in Europa ist es zentral, Strategien mit großer Hebelwirkung zu entwickeln, da andere Akteure des Nonprofit-Sektors an sich, des Staates und des Marktes einen wesentlich höheren Anteil am gemeinnützigen Geschehen haben. Im Laufe der Zeit haben europäische Stiftungen ganz eigene Wege gefunden, trotz dieser Gegebenheiten hohe gesellschaftliche Wirkung zu erzielen. Dieses Projekt möchte dieses bisher nur implizit vorhandene Wissen für die gesamte Stiftungslandschaft verfügbar machen und darauf aufbauend eine europäische Theorie des Stiftungshandelns entwickeln. Dazu werden (1) Programme und Projekte von Stiftungen identifiziert, die eine große Hebelwirkung erreicht haben, und es wird (2) nach den externen und internen Erfolgsfaktoren gesucht, die zu der überproportionalen Hebelwirkung beigetragen haben.


2. Governance of Hybrid Organisations
Hybridorganisationen vereinen Elemente aus privaten, öffentlichen, Forprofit- und Nonprofit-Organisationen mit unternehmerischen, betriebswirtschaftlichen und administrativen Orientierungen. Die angestiegene Präsenz von Hybriden spiegelt grundlegende Veränderungen in der institutionellen Infrastruktur moderner Gesellschaften und das Verschwinden von Grenzen zwischen den Rollen des Staates, des Markts und der Zivilgesellschaft wider. Besondere Beispiele für Hybridformen sind dabei: Korporationen, die sowohl Profitoptimierung als auch soziale Verantwortung miteinander verbinden; Nonprofit-Organisationen, die einen wirtschaftlichen Ertrag generieren, um einen öffentlichen Zweck zu unterstützen; eine Regierungsbehörde, die nicht mehr von Steuereinnahmen abhängt oder eine von Unternehmern ins Leben gerufene Organisation, die eher den sozialen als den auf Geld bezogenen Nutzen zu maximieren versucht. Das Projekt untersucht die Governance-Probleme, die in solchen Hybridorganisationen entstehen.


3. Zivilgesellschaft in Zahlen
Die aktuellsten statistischen Kennziffern zu Form und Ausmaß des Nonprofitsektors und der Zivilgesellschaft in Deutschland stammen von den Johns-Hopkins-Comparative Nonprofitsector Projects aus dem Jahre 1996. Seitdem fehlen jedoch aktuelle Grundlagendaten, die sowohl die gegenwärtige Situation als auch zukünftige Veränderungen und Entwicklungen des Nonprofitsektors in Deutschland ausreichend differenziert abbilden können. Das beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft angesiedelte Projekt „Zivilgesellschaft in Zahlen“ versucht nicht nur die Erfassung und Aufbereitung statistischer Kennziffern zur Beschreibung der deutschen Zivilgesellschaft zu aktualisieren, sondern zudem Grundlagenarbeit für eine international vergleichbare "Dauerbeobachtung Zivilgesellschaft" für Wissenschaft, Politik und Praxis zu leisten, welche als Satellitenkonto an die Volkswirtschaftliche Gesamtrechung des Statistischen Bundesamtes angedockt werden kann. Das Projekt wird zudem gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung, sowie die Bertelsmann Stiftung. [1]


4. Bürger unternehmen Zukunft - Bürgerschaftliches Engagement von und für ältere Menschen
Das Forschungsprojekt "Bürger unternehmen Zukunft − Bürgerschaftliches Engagement von und für ältere Menschen" soll Antworten auf die Frage finden, wie sich der gesamtgesellschaftliche Umfang und die Qualität des Engagements von und für ältere Menschen in Deutschland derzeit gestaltet und wie sie nachhaltig gesteigert werden können. In Projektphase 1 wird dazu aus der Angebotsperspektive erforscht, wie der Status quo des Engagements von älteren Menschen in Bezug auf Indikatoren wie Engagement- und Netzwerkstrukturen, Motivationslagen und Erwartungshaltungen, Qualifikationsniveaus und Qualifizierungsbedarfe, Lebensqualität, Organisationsstrategien etc. beschrieben, und wie die für eine Steigerung des Engagements entscheidenden Indikatoren identifiziert werden können. Aus der Nachfrageperspektive wird geprüft, welche Relevanz das Engagement für ältere Menschen in Bezug auf die Sektoren Staat, Markt und Familie hat, und dies u.a. in volkswirtschaftlicher Perspektive, hinsichtlich sozioökonomischer Kapazitäten und im politisch-institutionellen Kontext. Aus den Ergebnissen dieser Forschungsarbeiten werden in Projektphase 2 Schlussfolgerungen u.a. für die Verbesserung der Rahmenbedingungen und Handlungsoptionen der beteiligten Akteure gezogen.


5. Qualifizierung für bürgerschaftliches Engagement
Erforscht wird, wie zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland besser gefördert und gesellschaftlichen Anforderungen und Potentialen entsprechend entwickelt werden kann. Wie sich ‚einladende‘ Strukturen und aktivierende Umfelder für bürgerschaftliches Engagement und Freiwilligenarbeit gestalten wird konzeptionell wie empirisch erfasst, der aktuelle Stand der Forschung so erarbeitet. Darüber hinaus werden Art und Umfang von Qualifizierungsmaßnahmen untersucht: welche Inhalte und Fertigkeiten vermittelt, welche Ergebnisse erzielt werden konnten, welche Erfahrungen vorliegen. Fallstudien gelingender Aktivierung und Qualifizierung von Freiwilligenarbeit werden erstellt und münden in Handlungsempfehlungen, wie Bürgerschaftliches Engagement politisch unterstützt werden kann und welche der untersuchten Modelle besonders übertragbar sind.


Auswahl abgeschlossener Projekte:
1. Machbarkeitsstudie zur möglichen Einführung der Rechtsform einer Europäischen Stiftung
Mit der Studie sollte für die Europäische Kommission geklärt werden, in welchem Umfang Stiftungen in Europa bisher grenzüberschreitend tätig sind, auf welche Barrieren sie dabei stoßen und ob und in welchem Umfang sich diese Barrieren reduzieren lassen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Stiftungen bereits jetzt in erheblichem Maße auch über die Grenzen von Nationalstaaten hinweg tätig sind, dabei aber auf zum Teil erhebliche rechtliche Barrieren stoßen. Die Kosten, die jährlich hierdurch anfallen werden auf zwischen 90 und 100 Millionen Euro geschätzt. In dieser Schätzung sind nur kalkulierbare Kosten, die vor allem durch Rechtsberatung anfallen, inbegriffen. Die tatsächlich auflaufenden Kosten dürften um einiges höher liegen. Mit der Einführung einer gemeinsamen Rechtsform, die Stiftungen wählen können, könnten die Schwierigkeiten gegenüber grenzüberschreitenden Tätigkeiten nicht vollständig aufgehoben, aber um einen beträchtlichen Teil zu reduzieren sein. [2]


2. Sozioökonomische Mehrwertanalyse gemeinschaftlicher Wohnprojekte
Seit Anfang der 1990er Jahre wird das Konzept von quartiersbezogenen, gemeinschaftlichen Wohnprojekten intensiv diskutiert. An sie knüpft sich die Erwartung, dass sie durch die Aktivierung von Engagement innerhalb der Nachbarschaft zur Steigerung der Lebensqualität älterer, unterstützungsbedürftiger Menschen und zur Lösung von Problemen des öffentlichen Sozialsystems beitragen können. Die Analyse des CSI und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nach dem Social-Return-on-Investment-Ansatz (SROI) untersuchte erstmals, wie sich entsprechende Modellprojekte auf den konkreten Hilfebedarf unterstützungsbedürftiger Personen auswirken, in welchem Umfang (moderierte) gemeinschaftliche Aktivitäten der Bewohner professionelle Unterstützungsleistungen ergänzen können, welche Kosten für die Unterstützung anfallen (bzw. von wem sie getragen werden), und welche Verbesserungen im Hinblick auf die Lebens- und Wohnqualität durch die untersuchten Modelleinrichtungen bewirkt werden. Die Befunde tragen dazu bei, die Debatte über alternative Wohnformen im Alter empirisch zu untermauern. Sie verdeutlichen, dass die Gesellschaft auf sehr vielfältige Weise und auf allen Ebenen von gemeinschaftlichen Wohnmodellen profitierten kann, wenn die für den gesellschaftlichen Mehrwert konstitutiven Investitionen getätigt werden.


Lehre[Bearbeiten]

Das CSI bietet einen eigenen Masterstudiengang an. Der ‚Master of Nonprofit Management & Governance’ richtet sich an angehende Führungskräfte in Nonprofit Organisationen (wie z.B. Stiftungen). Darüber hinaus wird in Zusammenarbeit mit drei weiteren europäischen Universitäten ein europäisches Weiterbildungsprogramm für Führungskräfte aus dem Dritten Sektor angeboten: das European Program In Civil Society Leadership (EPICS). Die kooperierenden Institute sind das Economic Research Institute (Stockholm School of Economics), das Centre for Nonprofit Management (Trinity College, Dublin) und das Research Institute for Nonprofit Organisations (Wirtschaftsuniversität Wien).


Masterstudiengang
Der Master of Nonprofit Management & Governance ist ein interdisziplinäres Aus- und Fortbildungsangebot für angehende Führungskräfte in Nonprofit Organisationen (NPO). Der berufsbegleitende Studiengang richtet sich an Führungskräfte und angehende Führungskräfte von Stiftungen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Entwicklungshilfeorganisationen, Umwelt- und Naturschutzverbänden, verbraucherpolitischen Organisationen, Verbänden des Wirtschafts- und Berufslebens, Nichtregierungsorganisationen und sozialen Unternehmen. Ziel des Masterprogramms ist es, die Besonderheiten des Führungshandelns im Dritten Sektor zu vermitteln und an Praxisbeispielen zu trainieren. Der Masterstudiengang ist auf vier Semester angelegt. Er setzt sich zusammen aus 1,5 Jahren in Blockphasen organisierter Präsenzzeit in Heidelberg (56 Präsenztage) sowie einer Praxis- und Prüfungsphase. Insgesamt stehen 25 Studienplätze pro Studienjahr zur Verfügung.
Das Lehrangebot unterscheidet sich von bestehenden Studiengängen an anderen europäischen Universitäten im Bereich Nonprofit-Management sowohl inhaltlich als auch methodisch. Der inhaltliche Schwerpunkt am CSI liegt auf sozialen Investitionen und Innovationen und stellt die für Führungskräfte zentralen Themen Strategieentwicklung, Leadership und Governance in den Mittelpunkt. Das Lehrangebot wurde unter Einbeziehung von Führungskräften aus der Praxis entwickelt. Die Studiengänge vermitteln relevante Managementstrategien, den internationalen Kenntnisstand über Struktur und Entwicklung des Nonprofit-Sektors und behandeln berufsethische Fragestellungen.
Als Vertiefungsfeld kommt am CSI dem Stiftungswesen eine besondere Rolle zu. Während der Präsenzphasen finden Kamingespräche statt, die den Teilnehmern die Chance bieten, in kleinen Gesprächsrunden mit Führungskräften aus dem Dritten Sektor in Kontakt zu treten. Ein intern organisiertes Coaching-System leitet die Teilnehmer, in einer Kombination aus persönlichem Feedback und praxisorientiertem Training, zur systematischen Evaluierung Ihrer Projekte und Karriereoptionen an. Zudem gibt es ein Mentoring-Programm zur Unterstützung bei der Planung individueller Karrierewege im Dritten Sektor.


Executive-Training-Programm EPICS (European Program In Civil Society Leadership)
Da Führungskräfte in den Organisationen der europäischen Zivilgesellschaft verstärkt das Bedürfnis äußerten, ihre Wissensbasis zu erweitern, sich konstruktiv grundlegend über ihre Arbeit Gedanken zu machen und ihre persönlichen Netzwerke zu erweitern, wurde EPICS gegründet. Das Ausbildungsprogramm teilt sich in vier Module, die von den einzelnen Partnerinstituten angeboten werden. In den Modulen bieten die Forschungsinstitute den Teilnehmern die Möglichkeit, an laufenden Debatten um aktuelle Forschungsthemen und Fragestellungen teilzunehmen. [3]


Netzwerk[Bearbeiten]

Das CSI dient im Dritten Sektor als neutrale Plattform für die Entwicklung neuer Ideen, da es Führungskräfte aus der Praxis, Experten aus der Politik und Wissenschaftler auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zusammenbringt. Im Rahmen eines Fellowship Programms verbringen ausländische Forscher Zeiträumen von einem bis mehreren Monaten am CSI um an den Kolloquien und Diskussionen teilzunehmen und eigene Forschungsvorhaben zu Fragestellungen des Dritten Sektors voranzutreiben. Das CSI gibt die Publikationsreihe „Soziale Innovation“ heraus, die beim VS Verlag erscheint. Außerdem betreute das CSI die wissenschaftliche Zeitschrift „Journal of Civil Society“. Vierteljährlich veröffentlicht das CSI den Newsletter „CSI Report“, der auf der Website des Instituts heruntergeladen werden kann. Das CSI informiert unter zudem über laufende Forschungsprojekte und Ergebnisse in einer Veranstaltungsreihe für Mitglieder des Deutschen Bundestages, darunter vor allem die Mitglieder des Unterausschusses „Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft“.


Beratung[Bearbeiten]

Das CSI bietet der Praxis einen direkten Transfer aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in Form von Beratungsprojekten, weshalb führende Stiftungen die Gründung des Instituts großzügig unterstützten. Im Rahmen der wissenschaftlichen Forschungsprojekte werden beispielsweise Best Practice Strategien und Vorgehensweisen identifiziert, die Ansatzpunkte für nachhaltige und wirkungsvolle Strategie- und Organisationsentwicklung liefern. Das CSI folgt damit dem Kerngedanken, dass praxisrelevante Forschungsergebnisse der interessierten Öffentlichkeit und den Praktikern des Sektors nicht lediglich in Form wissenschaftlicher Publikationen zur Verfügung gestellt werden sollten, sondern dass Mitarbeiter des Instituts direkt für konkrete Fragestellungen zur Verfügung stehen. Für die Abwicklung größerer Beratungsprojekte der Stiftungsgründung, Organisationsentwicklung oder Wirkungsmessung wurde eine eigene Abteilung eingerichtet.


Weblinks[Bearbeiten]

Website des Centrums für soziale Investitionen und Innovationen [4]


Einzelnachweise[Bearbeiten]

Wikilinks - Wikis mit Artikeln zum Thema[Bearbeiten]

(Trage hier dein Wiki mit Link zum Artikel ein, wenn du in deinem Wiki ebenfalls einen Artikel zu diesen Thema hast oder du diesen Artikel in dein Wiki exportiert hast)

.

  Dieser Wikipedia-Artikel wurde, gemäß GFDL, CC-by-sa mit der kompletten History importiert.