COGITO-Studie

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Die COGITO-Studie beschäftigte sich mit der Wirksamkeit des Gehirntrainings. Durchgeführt wurde die Studie 2010 unter der Führung von Ulman Lindenberger, Florian Schmiedek und Martin Lövdén des Max-Planck-Instituts in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, dem Fachbereich für Psychologie der Lund Universität Schweden sowie der Humboldt Universität zu Berlin.[1]

Studie[Bearbeiten]

Der Fokus der Studie lag auf der Frage, ob mentale Fähigkeiten durch Gehirntraining gesteigert werden können und inwiefern eine Steigerung vom Alter der Probanden abhängig ist. Eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten wurde nicht nur für die trainierten Übungen, sondern insbesondere für allgemeine Herausforderungen, also den Transfer-Effekt, betrachtet. Im Gegensatz zu der kritisierten Konzeption der Studie des Fernsehsenders BBC und des Medical Research Councils der Universität Cambridge, die eine Wirksamkeit des Gehirnjogging infrage stellte, sah die COGITO-Studie eine individuelle Anpassung der Übungen und eine 100-tägige Untersuchungsspanne vor.[2]

Aufbau[Bearbeiten]

Für die COGITO-Studie wurden 101 junge Erwachsene zwischen 20 und 31 Jahren sowie 103 ältere Erwachsene im Alter von 65–80 als Probanden eingesetzt. Der Umfang der Studie war auf 100 Trainingssitzungen à eine Stunde Gehirntraining am Computer angesetzt. Die Probanden wurden in zwei Gruppen, eine Übungs- und eine Kontrollgruppe, geteilt. Es trainierten jeweils sechs Personen pro Trainingsraum; eine pro Computer. Die Übungen wurden alle zwei bis drei Tage absolviert. Die Übungs- und Kontrollgruppe entsprachen sich bezüglich des Alters, des kognitiven Status sowie des Bildungsgrades.

Eine Trainingssitzung der Übungsgruppe bestand aus zwölf verschiedenen Tests, wobei

dienten.

Der Schwierigkeitsgrad der Übung wurde an die individuellen Fortschritte angepasst.

Auswertung[Bearbeiten]

Das Ergebnis fiel deutlich aus und sprach für eine Steigerung kognitiver Fähigkeiten durch Gehirntraining. Während die Prüfung kognitiver Kapazitäten vor der Studie keinen signifikanten Unterschied zwischen Übungs- und Kontrollgruppe zeigte, verhielt sich das Ergebnis nach der COGITO-Studie anders: In allen Sparten, der Auffassungsgabe und -schnelligkeit, der Leistung des Arbeitsgedächtnisses sowie dem Erinnerungsvermögen schnitt die Übungsgruppe deutlich besser ab, was zur folgenden Schlussfolgerung führte:

Intensives und langfristiges Gehirntraining oder Gehirnjogging führt zu einer signifikanten Verbesserung kognitiver Fähigkeiten mit starkem Transfer-Effekt. Die Steigerung mentaler Kapazitäten durch gezieltes Training kann also im Alltag beobachtet werden.

Wie erwartet, zeigten die Ergebnisse im Bezug auf die älteren Probanden, dass Gehirntraining in früheren Stadien des Alterns effizienter ist, als in späteren.[3][4] Überraschenderweise zeigte sich die Steigerung des Arbeitsgedächtnisses jedoch als beinahe gleich bei jüngeren und älteren Probanden.

Markt für Gehirntraining[Bearbeiten]

Das Thema der geistigen Fitness hat in den letzten Jahren zu der Gründung zahlreicher Online-Unternehmen zum Thema Gesundheit geführt. Einer der ältesten und größten Anbieter ist die amerikanische Marke Lumosity. Während Lumosity in Deutschland auch vertreten ist, liegt die Marktführung derzeit beim ähnlich aufgebauten Portal NeuroNation. Während die Wirksamkeit von Gehirnjogging medial oft kritisiert wird, wird von den Anbietern neben Susanne Jaegis Dual n-back-Test auch auf die Ergebnisse der COGITO-Studie verwiesen und mit der Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses durch angepasste Trainingsmethoden geworben.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Y. Brehmer, S. C. Li, V. Müller, T. von Oertzen, U. Lindenberger: Memory plasticity across the life span: uncovering children's latent potential. In: Developmental psychology. Band 43, Nr. 2, März 2007, ISSN 0012-1649, S. 456–478, doi:10.1037/0012-1649.43.2.465, PMID 17352553 (PDF; 450 kB [abgerufen am 24. Mai 2014]).
  • F. Schmiedek, M. Lövdén, U. Lindenberger: Hundred Days of Cognitive Training Enhance Broad Cognitive Abilities in Adulthood: Findings from the COGITO Study. In: Frontiers in aging neuroscience. Band 2, 2010, ISSN 1663-4365, doi:10.3389/fnagi.2010.00027, PMID 20725526, PMC 2914582 (freier Volltext).
  • Yee Lee Shing, Markus Werkle-Bergner, Shu-Chen Li, Ulman Lindenberger: Associative and strategic components of episodic memory: A life-span dissociation. In: Journal of Experimental Psychology: General. Band 137, Nr. 3, 2008, ISSN 1939-2222, S. 495–513, doi:10.1037/0096-3445.137.3.495, PMID 18729712 (PDF; 570 kB [abgerufen am 24. Mai 2014]).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. U. Lindenberger, M. Lövén, F. Schmiedek: Hundred days of cognitive training enhance broad cognitive abilities in adulthood: findings from the COGITO study. Frontiers in Aging Neuroscience, 2010 und Juli 2013.
  2. http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/8630588.stm
  3. Y. Brehmer, S.-C. Li, V. Müller, T. von Oertzen, U. Lindenberger: Memory plasticity across the lifespan: Uncovering children’s latent potential. Developmental Psychology 43, 2007, S. 465–478.
  4. Y. L. Shing, M. Werkle-Bergner, S.-C. Li, U. Lindenberger: Associate and strategic components of episodic memory: A life-span dissociation. Journal of Experimental Psychology General 137, 2008, S. 495–513.
  5. http://www.neuronation.de/de/science/und-es-nützt-doch
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