Bergapfel

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ACHTUNG:Der Begriff Bergapfel ist kein botanischer Begriff und darf als eine Vermarktungsidee angesehen werden [1]


Der Begriff Bergäpfel bezieht sich auf eine Auswahl handlesüblicher Apfelsorten, deren Gemeinsamkeit es ist, auf Apfelplantagen in Höhenlagen von 800 bis 1000 m produziert zu werden. Diese normalen Kulturäpfel zeigen als Bergäpfel unter den dort herrschenden besonderen klimatischen Bedingungen [1] besondere Ausformungen. Der entscheidende Faktor ist hierbei die Temperatur. Diese hängt maßgeblich von der Meereshöhe sowie dem Breitengrad ab,[2] wobei die durchschnittliche Temperaturabnahme bei 0,65 °C je hundert Meter liegt. Trotzdem sind Apfelanlagen in höheren Gebieten nicht unbedingt anfälliger für Frühjahrsfrost als solche in Tallagen. Die größte Gefahr liegt hier beim Strahlungsfrost, welcher zwar auch von der Meereshöhe, aber großteils von der Hangneigung und der Exposition des Anbaugebietes beeinflusst wird.[2]

Fruchtqualität[Bearbeiten]

Pinova

Bei der Apfelreife sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht entscheidend. Der Großteil der Sorten erlangt optimale Qualität wenn die Nachttemperaturen zur Erntezeit unter 15,6 °C liegen. Äpfel die unter wärmeren Bedingungen reifen sind zwar größer, haben aber:

  • weicheres Fruchtfleisch,
  • geringere Ausfärbung (Deckfarbe) und
  • weniger Aroma im Geschmack.

Bergäpfel haben hier den entscheidenden Vorteil. Zudem sind warme feuchte Bedingungen während des Sommers problematisch hinsichtlich Krankheitsanfälligkeit.[3] Besonders gut ist der Effekt der Höhenlage auf die Apfelausfärbung an der Sorte Golden Delicious erkennbar. Diese bekommen in höheren Gebieten rote Backen zusätzlich zu ihrer gelben Deckfarbe. Die intensivere Deckfarbe ist aber auch bei anderen Sorten zu sehen.[4]

Fruchtform und -größe[Bearbeiten]

Auch die Fruchtform wird maßgeblich von den Höhenmetern beeinflusst. Während Äpfel in der Ebene deutlich flacher sind, haben Früchte aus höheren Gebieten eine länglichere Form.[5] Äpfel aus höher gelegenen Anbaugebieten sind tendenziell kleiner als solche in Talanlagen. Grund dafür sind die niedrigeren Temperaturen während der Nacht. Allerdings hängt die Fruchtgröße auch von der Witterung während der Blütenbefruchtung ab. Bei kaltem feuchtem Wetter ist die Befruchtung schlecht. Es werden zu wenig Samen gebildet, was sich negativ auf die Größe der Äpfel auswirkt (Hormonproduktion). Auch kühles Wetter nach der Blüte bewirkt ein geringeres Fruchtwachstum.[6] Die Erntemenge ist grundsätzlich auch geringer als in Tallagen.[7]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Am Agrarinstitut S. Michele all’ Adige (Trentino, Italien) wurde der Gehalt von Antioxidantien zwischen Bergäpfeln und Äpfeln aus der Ebene verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass bei Zunahme der Meereshöhe auch der Gehalt an Vitamin C und Polyphenolen steigt. Äpfel vom Berg hatten 30 % mehr Polyphenole und sogar dreimal soviel Vitamin C als Früchte welche im Tal produziert wurden.[8]

Berostung[Bearbeiten]

Weiters besteht ein Zusammenhang zwischen Höhenlage und Anfälligkeit für Berostung des Apfels, welche mit zunehmender Höhenlage abnimmt. Besonders anfällig ist die Sorte Golden Delicious. Die Kutikula (Schale) von Früchten aus Tallagen ist dünner als jene von Äpfeln aus höher gelegenen Hügel- sowie Berganlagen. Dadurch ist die Gefahr größer, dass diese einreißt (z.B. bei nasser Witterung bzw. hoher Luftfeuchte).[5]

Anbaugebiete in Europa[Bearbeiten]

Die Produktion von Bergäpfeln erfolgt in der Schweiz und Italien. Hier liegen die Gebiete vor allem im Bereich der Alpen (z.B. Trentino-Südtirol)[9] aber auch weiter südlich in der Region Latium, in Amatrice werden Bergäpfel angebaut.[7]

Verwendung[Bearbeiten]

Bergäpfel eignen sich für den Frischkonsum, aber auch zur Weiterverarbeitung. Eines der Produkte ist zum Beispiel der Apfelsaft. Das spezielle Aroma der Bergäpfel ist im Saft zu schmecken. Wie bei jedem Apfelsaft können auch sortenreine Apfelsäfte produziert werden. Der unterschiedliche Geschmack hängt hier jeweils von der charakteristischen Note der einzelnen Apfelsorte ab. Auch die Herstellung von Apfelsekt sowie die Verarbeitung zu Gelee ist möglich.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. O.N. (o.J.): Alpverein Schweiz: Aepfel (Abgerufen am: 16.12.2012, 15.40 Uhr)
  2. 2,0 2,1 Barden J. A. und G.H. Neilsen: Selecting the Orchard Site, Site Preparation and Orchard Planning and Establishment. Book: Apples: botany, production, and uses (edited by: Ferree D.C. and Warrington I.J.) CABI publishing, London-UK (2003) eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche (Abgerufen am: 16.12.2012, 15.00 Uhr)
  3. Marini R. P.Growing Apples in Virginia (Abgerufen am: 15.12.2012, 11.40 Uhr)
  4. Melinda, D.O.P. Mela Val Di Non (1) Contatta Melinda (Abgerufen am: 24.02.2012, 9.20 Uhr)
  5. 5,0 5,1 Eccher T., 1986: Russeting and shape of Golden Del. Apples as related to endogenous GA content of fruitlets. Acta Horticulturae 179, Growth Regulators
  6. McCamant T. (2008): Temperature and Apple Size, Minnesota Vegetable Guide Vol.5 Nr.11 (Abgerufen am: 15.12.2012, 11.20 Uhr)
  7. 7,0 7,1 MeleMangio (O.N.): Il Sistema naturale e l’ latitudine fanno la differenza. (Abgerufen am: 15.12.2012, 11.10 Uhr )
  8. Melinda, D.O.P. Mela Val Di Non (2) Effetto altitudine (Abgerufen am: 24.02.2012, 9.30 Uhr)
  9. VI.P Südtirol: Where Mother Nature plays the main role (Abgerufen am: 24.02.2012, 9.20 Uhr)
  10. O.N.: Marmeladen und Konfitüren aus Korsika (Abgerufen am 27. Februar 2012, 11.15 Uhr)
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