August Hermann Friedrich Neynaber

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Kapitän August Hermann Friedrich (auch Hermann Friedrich August oder Hermann August Friedrich) genannt Hermann Neynaber, geboren 3. August 1822 in Barsinghausen als 9. Kind des Gastwirts Peter und seiner Frau Engel Maria geb. Heusinger von Waldegge, gestorben 7. Juni 1899 in Bremen.

Nach seiner seemännischen Ausbildung ab Okt 1838 tritt er 1844 als Seemann in die amerikanische Marine unter Commodore David Connor ein und nimmt auf Korvette USS St. Mary am Mexikanisch-Amerikanischen Krieg teil (Landung der Truppen der Vereinigten Staaten unter General Taylor bei Rio Grande, Einnahme von Tampico (zweitgrößter mexikanischer Hafen), Beschießung und Landung von Vera Cruz (erste große amphibische Landung der US-Navy)) (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanisch-Mexikanischer_Krieg). Er verläßt im September 1847 die amerikanische Marine und kehrt nach Bremen zurück. Dort arbeitet er zunächst als Matrose in der Handelsmarine und tritt 1848 in die aufgrund des deutsch-dänischen Konfliktes neu geschaffene gesamtdeutsche Marine als Schiffs-Fähnrich (Steuermann mit Patent) ein. Er wird 1849 auf die Dampffregatte Barbarossa berufen und ist Teilnehmer am Seegefecht deutscher Marineeinheiten mit der dänischen Segelkorvette „Valkyrien" bei Helgoland am 4. Juni 1848 (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Seegefecht_bei_Helgoland_(1849)).

Im sog. Gefecht bei Eckernförde am 4/5. Mai 1849 (vgl. http://www.geschichte-s-h.de/vonabisz/gefechtvoneckernfoerde.htm) war die dänische Segelfregatte "Gefion" in deutsche Hand gefallen, verbleibt aber zunächst in Eckernförde und wird dort (umbenannt in "Eckernförde") für die gesamtdeutsche Marine instandgesetzt. Das Kommando hat ein aus dem damals dänemarkfreundlichen England stammender Kapitän, dem als erster Offizier Thaulow und als Schiffs-Fähnrich (=zweiter Offizier) Neynaber zugeteilt sind. Am 12. September 1850 versuchten die Dänen, das im Hafen liegende Schiff zurückzuerobern (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Gefion_(1843)). Als dieser Versuch misslingt, wird von den Dänen ein im Hafengelände nahe der "Gefion/Eckernförde" liegender Holzlagerplatz in Brand geschossen, um das Schiff durch Feuer zu zerstören. Nachdem das Schiff stellenweise schon zu brennen beginnt, gibt der Kapitän das Schiff auf und erteilt der Mannschaft Befehl zum Verlassen des Schiffes. Erster und zweiter Offizier widersetzen sich diesem Befehl. Mit Hilfe der ihnen treu ergebenen Mannschaft gelingt es, das Schiff vom Brandherd fortzubewegen und das Schiff dadurch zu retten. Thaulow und Neynaber werden daraufhin wegen des Vorwurfs der Gehorsamsverweigerung vor ein Kriegsgericht gestellt, aber ausdrücklich glänzend freigesprochen. Sie sind also vermutlich die ersten deutschen Marineoffiziere mit einem derartigen Freispruch.

Noch vor dem abschließenden Abschaffung der ersten gesamtdeutschen Marine zum 31. Dezember 1851 verläßt Neynaber diese und geht ab Juli/ August 1851 zur Handelsmarine. Zunächst ist er als Steuermann auf einem Segelschiff im Südamerikadienst tätig. Als die beiden einzigen hölzernen Überseeraddampfer unter deutscher Flagge ("Hansa" und "Germania (vorher "Acadia" bzw. "Erzherzog Johann")", beide aus der aufgelösten ersten gesamtdeutschen Marineflotte stammend) den ersten Liniendienst mit Fahrzeiten von von Bremen nach New York aufnehmen, fährt Neynaber im Jahr 1853 zunächst auf der "Hansa", ab 1854 auf der "Germania" als Steuermann und übernimmt letztere im Herst 1854 als Kapitän. Die Postdampfer "Hansa" und Germanisa" gewährten 1853 und 1845 den deutschen Auswanderern eine angenehme, sichere und im Vergleich zu den zeitgenössischen Segelschiffen auch rasche Reise von 18-26 Tagen statt ca. 44 Tagen (westwärts von der Weser bis New York, wobei die Bremer Dampfer gelegentlich über Schottland nach New York liefen, Quelle Hans Szymanski, Die Dampfschiffahrt in Niedersachen und den angrenzenden Gebieten von 1817 bis 1867, Seite 350]. Im Krimkrieg fuhr "Germania" in britischer Charter als Truppentransporter unter Kapitän Neynaber bis zum Verkauf im Dezember 1857.

Anfang 1866 tritt Neynaber als Kapitän beim Norddeutschen Lloyd ein und führt für diese Reederei die Schiffe "SS Bremen", "SS Deutschland", "SS Donau", "SS Mosel", "SS Kronprinz Friedrich Wilhelm" und "SS Rhein". 1880 wird in New York ein Banquet aus Anlaß der 100. Atlantiküberquerung von Kapitän Neynaber gegeben. Besonders bemerkenswert ist, dass alle Schiffsreisen unter Kapitän Neynaber ohne nennenswerte Zwischenfälle und Navigationsfehler absolviert wurden - damals durchaus nicht unüblich. In der Zeit beim Norddeutschen Lloyd hat Kapitän Neynaber meherere tausen Auswanderer nach Amerika befördert. In den Schiffslisten zeichnet er meist als "Neynaber" oder "H.A.F. Neynaber".