August Furrer

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August Furrer (* 28. Februar 1890 in Karlsruhe; † 1957 ebenda) war als Kriminalsekretär Angehöriger der Kriminalpolizei in Karlsruhe und der politischen Polizei in Lörrach.

Werdegang[Bearbeiten]

Als gelernter Schriftsetzer wurde er noch vor 1914 Mitglied der SPD. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er mit anderen den Allgemeinen Polizeibeamtenverband. Über seine Mitgliedschaft in der SPD kam er in die Stadtverordnetenversammlung. Danach wurde er Sachbearbeiter im badischen Innenministerium. Er wechselte von dort zur Politischen Polizei, wo er ab 1930 bis 1933 als Leiter der Abteilung N (Nachrichtenwesen) bei der Polizei in Lörrach eingesetzt wurde. In Lörrach wurde er mit dem Auftrag betraut, die rechts- und linksextreme politische Szene zu beobachten. Ein Spezialauftrag war, herauszufinden, auf welchem Wege die NSDAP ihre Finanzmittel erhielt. Ihm gelang es, die I.G. Farben[1] mit ihrem Werk in Ludwigsburg als eine Quelle zu identifizieren.[2][3] Weiterhin war er mit der Spionageabwehr beschäftigt und hatte deshalb gute Kontakte in der Schweiz. Furrer war auch als Kriminalbeamter in Karlsruhe gegen die NSDAP eingesetzt.

Folgen der Machtergreifung[Bearbeiten]

Nach der Machtergreifung der NSDAP im Januar 1933 dauerte es nicht lange, bis Furrer aus dem Polizeidienst entlassen wurde. Ihm bekannte Nationalsozialisten in Karlsruhe wollten nun an Furrer Rache nehmen. Am 10. April 1929 gab es eine große Versammlung der KPD in der Karlsruher Festhalle. Zu dieser Versammlung zog die NSDAP mehrere hundert SA-Leute zusammen, die die Versammlung störten. Es kam zu Tätlichkeiten, wobei die SA-Leute mit Messern zustachen, auch gegen Polizeibeamte. Auch Furrer erhielt einige Schläge ab. Bei den SA-Leuten war auch der spätere NS-Justizminister in Baden Joannhes Rupp[4]. Als die Karlsruher Polizisten sich nicht mehr anders behaupten konnten, setzten sie sich mit Gummiknüppeln zur Wehr. Rupp klagte nun Furrer an, gegen ihn tätlich geworden zu sein. Obwohl Furrer Zeugen aufbieten konnte, die ihm keine Tätlichkeiten bezeugtem, wurde Furrer zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Später wurde dann Furrer 1930 nach Lörrach versetzt.

Dienststellen Lörrach und Freiburg[Bearbeiten]

Im Februar 1933 wurden Furrers Wohnung und Diensträume durchsucht. Anlass war offensichtlich die Festnahme seines Sohnes als Kurier der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Obwohl man keine belastenden Papiere bei Furrer fand, eröffnete ihm der Landrat Theodor Wintermantel[5], dass er mit sofortiger Wirkung zur Polizeidirektion nach Freiburg versetzt worden sei. Seinen Posten in Lörrach übernahm der aus Mannheim kommende Hermann Würz. In Freiburg gab ihm der Polizeidirektor Paul Baer freimütig zu, dass er auch in Freiburg unerwünscht sei. Furrer wandte sich nun an den badischen Innenminister Erwin Umhauer[6]. Doch der konnte ihm nur anbieten, sich nach Buchen im Odenwald versetzen zu lassen, um aus der Öffentlichkeit zu rücken.

Folter und Haft[Bearbeiten]

Kaum war der Reichskommissar für Baden und spätere Gauleiter Robert Wagner[7] im Amt, erhielt Furrer am 10. März 1933 die Aufforderung, sich im Innenministerium in Karlsruhe einzufinden. Als er mit der Straßenbahn am Marktplatz ankam, wollte er noch einen alten Bekannten aus Polizeikreisen Herrmann Stenz (1877–1953), der am Durlacher Tor wohnte, besuchen. Doch dazu kam es nicht, denn plötzlich sprang eine Gruppe von SA-Leuten in die Straßenbahn und zerrten ihn heraus, um ihn ins Innenministerium zu verbringen. In einem Dienstzimmer wurde dann Furrer beschimpft und „unangenehm“ belästigt. Als er auf den Flur kam, fing die Prügelei – auch mit Gummiknüppeln – erst richtig an. Als die SA-Leute mit Pistolen eine Erschießung androhten, schoss sich ein SA-Mann beim Hantieren ins eigene Bein. Nun erschien der Karlsruher NS-Mann Fritz Plattner[8] mit SS-Männern. Zwei hielten Furrer fest, worauf ihm Plattner mit einem Stahlstock auf den Kopf schlug, dass Furrer zusammenbrach. Furrer gab an, dass nur ein SS-Mann, der vom badischen Ministerpräsidenten Walter Köhler[9] geschickt wurde, seinen Tod verhindert hätte. Furrer wurde danach in das Karlsruher Gefängnis im Hardtwald verbracht und kam so in die sogenannte „Schutzhaft“[10], um wie im Fall Furrer politische Gegner zu inhaftieren.

Überführung ins KZ Kinslau[Bearbeiten]

Die Nationalsozialisten veranstalteten am 16. Mai 1933 eine öffentliche Demütigung in Karlsruhe, als sie inhaftierte Sozialdemokraten in einem Leiterwagen durch das Zentrum von Karlsruhe in das KZ Kislau vorbei an den dichtgedrängten Zuschauern in den Straßen überführten. Auf dem Wagen waren neben Furrer auch der Karlsruher Anwalt Ludwig Marum[11] und weitere führende Sozialdemokraten. Furrer wurde am 4. Januar 1934 aus der Haft entlassen.

Weitere Verfolgung[Bearbeiten]

Da Furrer arbeitslos geworden war, konnte er sich nur mit Gartenarbeiten und der Zucht von Kleintieren wirtschaftlich über Wasser halten. Weiterhin musste er sich immer wieder polizeilich melden. Wegen des Verdachts der illegalen Unterstützung der SPD wurde er am 10. August 1936 festgenommen und drei Tage in Untersuchungshaft gehalten. Dieser Vorgang wiederholte sich am 20. Juli 1938. Diesmal wurde er der illegalen Unterstützung der SAP verdächtigt, jedoch konnte man ihm keine Tätigkeit für die SAP nachweisen.

Kriegs- und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde Furrer zum stellvertretenden Generalkommando der Wehrmacht nach Stuttgart eingezogen. Danach kam er zur Dienststelle der Abwehr der Wehrmacht in Konstanz. Kurz nach Kriegsende wurde er als Leiter des Bezirksverwaltungsamtes in Karlsruhe eingesetzt. Ab 1949 arbeitete er als Abteilungsleiter des Einwohnermeldeamtes in Karlsruhe.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. I. G. Farben in der deutschsprachigen Wikipedia
  2. Entries in the Account "National Trusteeship" Found in the Files of the Delbrueck, Schickter Co. Bank. In: Nuremberg Military Tribunal, Volume VII · Page 567. Abgerufen am 22. Februar 2018 (englisch, Spende von 400.000 RM an die NSDAP von den I.G. Farben).
  3. Eberhard Czichon: Wer verhalf Hitler zur Macht? Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der Weimarer Republik. 3. Auflage. Pahl-Rugenstein, Köln 1972, ISBN 3-7609-0042-9, S. 82–83 (105 S., Die dortige Dokumentenangabe NI 9550 ist inkorrekt, korrekt ist NI-391).
  4. Johannes Rupp in der deutschsprachigen Wikipedia
  5. Theodor Wintermantel in der deutschsprachigen Wikipedia
  6. Erwin Umhauer in der deutschsprachigen Wikipedia
  7. Robert Wagner in der deutschsprachigen Wikipedia
  8. Fritz Plattner in der deutschsprachigen Wikipedia
  9. Walter Köhler in der deutschsprachigen Wikipedia
  10. Schutzhaft in der deutschsprachigen Wikipedia
  11. Ludwig Marum in der deutschsprachigen Wikipedia
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