Attila Dézsi

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Attila Dézsi (links) bei der Präsentation von archäologischen Untersuchungen, 2017

Attila Dézsi (* um 1988) ist ein historischer Archäologe, der sich insbesondere mit Neuzeitarchäologie zur jüngsten Zeitgeschichte befasst.

Leben[Bearbeiten]

Attila Dézsi studierte historische Archäologie an der Universität Wien und am Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Hamburg.[1] Während des Studiums nahm er 2011 als Grabungshelfer an einer Ausgrabung im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen in Österreich teil.[2]

Seine 2013 an der Universität Hamburg vorgelegte Bachelorarbeit befasste sich mit neuzeitlichem Graffiti am Beispiel des Casino Zögernitz in Wien.[3] Seine Masterarbeit von 2016 hatte die synchrone und diachrone Variabilität der Geschlechterverhältnisse des frühen und mittleren Neolithikums zum Inhalt.[4]

Schwerpunkte von Attila Dézsi sind zeitgeschichtliche Archäologie des 20. und 21. Jahrhunderts, Theorien und Methoden sowie Archäologie der Geschlechterverhältnisse.[5] Derzeit (2019) ist er Doktorand der Graduiertenschule Geisteswissenschaften der Universität Hamburg, wofür ihm die Universität ein zweijähriges Stipendium gewährt.[6] Sein Dissertationsprojekt trägt den Titel Zeitgeschichtliche Archäologie des 20. Jahrhunderts an Orten des Protests. Kritische Archäologie und Community Archäologie der Freien Republik Wendland.[7] Es befasst sich mit dem Hüttendorf der Republik Freies Wendland in Niedersachsen, dessen Aufbau und 33-tägiges Alltagsleben Dézsi anhand der Hinterlassenschaften rekonstruieren will.[8] Dazu führte er von 2016 bis 2018 die archäologische Untersuchung der „Republik Freies Wendland“ durch.[9] Das Hüttendorf wurde 1980 von Atomkraftgegnern während einer Platzbesetzung aus Protest gegen den Bau des Atommülllagers Gorleben errichtet und vier Wochen später bei der polizeilichen Räumung zerstört. Dézsi hält das Thema für ein Stück deutscher Demokratie-Geschichte[10] und den Ort für kulturelles Erbe.[11] Laut dem Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg Wolfgang Ehmke habe Dézsi den Gorleben-Widerstand „vermessen“.[12] Die wissenschaftliche Erforschung des einstigen Protestcamps ist das erste Projekt zeitgeschichtlicher Archäologie zur Alltagskultur des späten 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.[13] Es knüpft an die aktuellen Entwicklungen in der internationalen zeitgeschichtlichen Archäologie an[7].

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Neuzeitliche Graffiti als archäologisch-kulturanthropologische Quellengattung. Am Beispiel des Casino Zögernitz, Wien, ungedruckte Bachelorarbeit, Hamburg 2013
  • Eine Studie zu synchroner und diachroner Variabilität der Geschlechterverhältnisse des frühen und mittleren Neolithikums, ungedruckte Masterarbeit, Hamburg 2016
  • Zeitgeschichtliche Archäologie des 20. Jahrhunderts an Orten des Protests und der „Freien Republik Wendland“ in: Frank Nikulka, Daniela Hofmann, Robert Schumann (Hrsg.): Menschen – Dinge – Orte. Aktuelle Forschungen des Instituts für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Hamburg, 2018, S. 195–202 (Online, pdf)
  • Historical and Community Archaeology at a Late-20th-Century Protest Camp Site at Gorleben in: The SHA Newsletter, Winter 2018, Band 51, Nr. 4, 2019, S. 22–24.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carolin George: Was von der „Republik Freies Wendland“ übrig blieb in Die Welt vom 6. November 2016
  2. Gerhard Ziegler: Freie Republik Wendland: Die Vermessung der Widerstandsgeschichte hat begonnen bei wendland.net vom 23. November 2017
  3. Abgeschlossene Bachelorarbeiten beim Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
  4. Abgeschlossene Masterarbeiten beim Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
  5. Doktorand Attila Dézsi, M.A. bei Universität Hamburg
  6. Promotionsprojekt startet: Archäologische Erforschung der Freien Republik Wendland Presseerklärung von Attila Dézsi (Universität Hamburg) vom 27. Oktober 2016
  7. 7,0 7,1 Beschreibung des Dissertationsprojektes von Attila Dézsi bei Graduiertenschule Geisteswissenschaften der Universität Hamburg
  8. Gerhard Ziegler: Graben nach den Resten der Freien Republik Wendland bei wendland.net vom 5. Dezember 2016
  9. Reimar Paul: „Republik Freies Wendland“ soll wissenschaftlich erforscht werden in Weser-Kurier vom 9. Oktober 2016
  10. Jörg Römer: Archäologen erforschen Achtzigerjahre bei Der Spiegel vom 21. September 2017
  11. Präsentation zeigt Funde aus der „Republik Freies Wendland“ in: Süddeutsche Zeitung vom 22. Februar 2019
  12. Jens Feuerriegel: Graben nach den Widerstands-Wurzeln in Elbe-Jeetzel-Zeitung von 24. Februar 2019
  13. Archäologische Ausgrabung des Protestcamps „Freie Republik Wendland“. bei Focus Online vom 8. November 2017
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